Designpreis der IKEA Stiftung für Studenten

Korbi von René Walk

Ungewohnte Perspektiven nutzen, Gewohntes drehen und wenden und vor allem zukunftsorientiert arbeiten, solchen Herausforderungen stellten sich die 155 Studierenden, die in diesem Jahr der Wettbewerbs-Einladung folgten. Unter dem Motto „Dreh mal ab!“ sendeten die Wettbewerber ihre Ideen an die IKEA Stiftung und stellten sich einer renommierten Jury. Größen wie Dieter Rahms und Hella Jongerius saßen bereits in vergangen Jahren in der Jury. Auch dieses Jahr stützten bekannte Designer und Professoren aus Schweden und Deutschland die Qualität und den Ruf des Wettbewerbs. Bei so vielen Hochkarätern aus der Welt des Designs können sich die Gewinner doppelt freuen, denn eines ist gewiss: so ein Urteil steht für Unabhängigkeit und Qualität. Bei dem Wettbewerb geht es nämlich allein um die Förderung von Talent, alle Verwertungsrechte an den Einsendungen bleiben den Studierenden erhalten. Alle Preisträger werden zu Workshops am Ingvar Kamprad Design Centrum in Lund eingeladen. Außerdem freuen sich die drei Erstplatzierten Stefan Brüning, Anna Staudacher und René Walk über ein vollfinanziertes Auslandssemester in Schweden. Nun aber genug geredet, hier sind die Gewinner des elften Designpreises der IKEA Stiftung: 

Vom Pfandflaschensammler bis zum Kniffel-Spiel für Blinde

albert 3000
STEFAN BRÜNING
Man muss nicht das Ende der Möbelindustrie beschreien, aber dass der 3-D-Druck in Zukunft mächtig Druck auf die Branche ausüben wird, darf als gesichert gelten. Mit Stefan Brünings albert 3000 gewinnt nun auch erstmals eine 3-D-Druck-Idee beim Designpreis der IKEA Stiftung. Und was für eine! Aus zwei gedruckten Verbindungselementen und fünf handelsüblichen Besenstielen schafft der Student der Kunsthochschule Berlin Weißensee eine ebenso formschöne wie stabile Garderobe. Die Jury hing besonders an den Aspekten der leichten Verständlichkeit, des minimalen Materialeinsatzes und der günstigen Herstellung.



Hoshi
SEUNG MIN BAEK
Ausgangsfragen: Warum hat ein Hocker Beine? Will er weglaufen? Wäre es nicht besser, wenn er Stiele hätte? Die könnte man doch wenigstens als Besenstiel zweitverwenden. Hoshi, das Hocker-Konzept von Seung Min Baek, setzt sogar noch einen drauf. Denn jedes Einzelteil kann jenseits seiner Bestimmung auch etwas anderes sein: die Sushi-Sitzkissen als Deko-Objekt, die Sitzbespannung als Allzwecktuch oder was immer einem einfällt. Die Jury lobte die Studentin der Folkwang Universität der Künste für ihren Humor und die starke Grafik.




Michel
JANINA CAPELLE
Man kann das Rad nicht neu erfinden, aber vielleicht mit alten Fahrradschläuchen dem Hocker einen neuen Dreh verpassen. Abgefahren ist die Sitzskulptur von Janina Capelle allemal. Warum die Studentin der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ihren Entwurf Michel betitelte, bleibt ihr Geheimnis. Wahrscheinlich, weil die Deutschen Weltmeister im Recyceln sind. Oder weil nur Michelin-Schläuche verwendet wurden. Wie dem auch sei, die Jury fuhr schwer auf Michel ab.




Pfandsammler
SVELTE WEHRENBERG
Pfandflaschen sind gesellige Dinger. Weil man nicht jede gleich wegbringt, hat man im Nu eine ganze Zusammenrottung in der Bude. Studierende (aber nicht nur) können ein Lied davon singen. In ihren überschaubaren Behausungen übernehmen Pfandflaschen schnell die Herrschaft über den Bodenraum in Küche und Flur. Eine Kommilitonin, Svelte Wehrenberg, von der Fachhochschule Münster, sann auf Abhilfe. Ihr Pfandsammler hängt erst dekorativ an der Wand, nimmt 0,5 l bis 2 l Pfandflaschen auf, um dann mit einem Handgriff zum praktischen Transportmittel zu werden. Tolle Idee, Pfand die Jury: unkonventionell und effektiv.

Senses
DAVID SANCHEZ HIDALGO
Eine ganz kniffelige Aufgabe hatte sich David Sanchez Hidalgo von der Kunsthochschule Berlin Weißensee gestellt. Er wollte das Würfelspiel Yahtzee – in Deutschland eher als Kniffel bekannt – für blinde Menschen erfahrbar, oder besser gesagt, begreifbar machen. Statt der Würfel kommen fünf handschmeichlerisch geformte Steine zum Einsatz. Je nach dem, mit welcher Kante diese zum Liegen kommen, wählt man seine Strategie für den zweiten und dritten Wurf. Ein ungewöhnlicher, formschöner, großer Wurf, befand die Jury.


Sputnik
ANNA STAUDACHER
Der Rückentwicklung unserer Rücken setzt Anna Staudacher den Sputnik entgegen. Der Hocker der Studentin an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle strebt wie der namensgebende Satellit hoch hinaus. Mit 57 statt 45 Zentimetern Höhe sorgt er für eine bequeme Haltung bei geradem Rücken. Die frei bewegliche Sitzfläche aktiviert zusätzlich bei jeder Bewegung das gesamte Muskel- und Skelettsystem. Dass er auch optisch eine gute Figur macht, aus wenigen, einfachen Elementen gebaut und leicht zerlegbar ist, unterstützte das Urteil der Jury: Eins, setzen.




Conwood
TOBIAS RELL
Seit Menschengedenken arbeitet der Homo Sapiens mit dem Werkstoff Holz. Er hat gelernt, es zu verzapfen, zu verleimen, zu verschrauben oder zu vernageln. Und neuerdings auch zu verflüssigen. Richtig gelesen: Es gibt flüssiges Holz. Aus diesem Biokunststoff stellt Tobias Rell von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle Verbindungselemente her, die direkt an die Holzprofile gegossen werden. So lassen sich werkzeuglos individuell konfigurierbare Regale zusammenstecken. Die Jury sprach in flüssigem Deutsch ihre Anerkennung aus.




Good Morning Berlin
ELISA-JOSEPHINE AMMARELL
Die Versuchung, die Nacht zum Tage zu machen, ist für Studierende in Berlin größer als in jeder anderen Universitätsstadt Deutschlands. Kein Wunder, dass der Entwurf eines Kaffeebechers für Übermüdete aus der Hauptstadt kommt. Die sich aus dem Porzellan drückenden Bubbles sorgen nicht nur für sicheren Halt, sondern stimulieren per Akupressur auch Körper und Geist. Ob der Entwurf von Elisa-Josephine Ammarell in der Mensa der Universtität der Künste seine wohltuende Wirkung entfalten kann, ist ungewiss. Gewiss ist das Urteil der Jury: taktile Meisterleistung.




Korbi
RENÉ WALK
Bei Licht betrachtet ist das Kabel häufig der hässlichste Teil einer Hängelampe. Drum herum wird alles bis ins letzte Detail designed – und zum Schluß schnöde an ein weißes Kunststoffkabel gehängt. Ganz anders bei Korbi, der Leuchte von René Walk, Hochschule München. Bei ihm spielt das Kabel die tragende Rolle. Wortwörtlich. Das unter Wärme gewendelte Polyurethan-Kabel ist Stromzufuhr, Aufhängung und Fassungsaufnahme in einem. Die formflexible Spirale dehnt sich je nach Schwere der verwendeten Birne oder macht sich in der Verpackung ganz flach. Clever, fröhlich, außergewöhnlich und innovativ, bescheinigte die Jury.




Lay
ANNA WAWRZYNIAK
Dass neue Technologien alte handwerkliche Fähigkeiten verdrängen, ist nicht schön. Umso schöner, wenn beide eine ästhetisch so gelungene Symbiose eingehen wie bei Lay, der Hängeleuchte von Anna Wawrzyniak. Handgeschöpftes Papier trifft Licht emittierende Dioden. Da LEDs kaum Wärme abgeben, kann die Studentin der Kunsthochschule Burg Giebichenstein ganze Streifen davon beim Herstellungsprozess des Papiers zwischen zwei Lagen einschöpfen. Die Jury zeigte sich erleuchtet von der Materialästhetik und der poetischen Ausstrahlung.