“Ich wollte etwas tun, statt immer über die Krankheit nachzudenken.”

Bei IKEA verstehen wir es als unsere Aufgabe, auch Menschen mit Schwerbehinderung einen normalen Arbeitsalltag zu ermöglichen. Wir sind der Meinung, dass jede Person die gleiche Chancen erhalten muss, nicht nur Teil der Gesellschaft, sondern auch des Arbeitslebens zu sein. Wie dies im Arbeitsalltag aussehen kann, das habe ich mir im Gespräch mit Anja Seiler einmal genauer angesehen. Sie nahm mich mit auf eine nicht ganz einfache Reise von der Diagnose Gehirntumor, bis hin zu ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz. Seit 2009 arbeitet Anja bei IKEA in der Preisauszeichnung im IKEA Einrichtungshaus in Walldorf.

Integrieren statt wegrationalisieren: Anja setzt sich für dieses IKEA Ziel ein.

Anja, Du arbeitest nun schon seit 20 Jahren bei IKEA, seit 2009 mit Schwerbehinderung. Wie kam es dazu?

Anja: Ich habe bei IKEA als Einrichtungsberaterin angefangen und war sehr zufrieden. Doch seit 2007 litt ich unter Schwindel und Kopfschmerzen. Die Diagnose lautete Stress. Das konnte ich gar nicht glauben – meine Arbeit hat mir Spaß gemacht, es war mein Traumjob! Zwei Jahre lang erhielt ich immer wieder Fehldiagnosen, bis im MRT ein Gehirntumor entdeckt wurde.

Wie war das für dich?

Anja: Es ist kaum zu glauben, doch ich war erleichtert, endlich die Ursache zu erfahren! Dann jedoch der nächste Schock: Der Tumor ließ sich in der Operation nicht komplett entfernen. Ich lernte schnell wieder laufen und sprechen, doch der Geruchssinn blieb aus.

Du hast nach kurzer Zeit beschlossen, wieder zu arbeiten – warum? Und wie hat IKEA dich dabei unterstützt?

Anja: Die Ärzte hatten Bedenken, doch ich wollte nach sechs Monaten wieder etwas tun, statt immer über die Krankheit nachzudenken. Ich wollte einem geregelten Tagesablauf folgen. Meine Kollegen, vor allem mein damaliger Teamleiter Timo Siedelberger, haben mich ganz toll unterstützt. Ich erklärte Timo, dass ich durch die Nebenwirkungen meiner täglichen Chemotherapie vormittags konzentrierter arbeite, und so hat er für mich eine Stelle bei der Preisauszeichnung organisiert. Ich bin bis heute so dankbar – ich erinnere mich noch an die Panik, die ich damals hatte, weil ich befürchtete, nicht mehr arbeiten zu können. Die Chance, die ich bekam, wünsche ich auch jedem anderen Mitarbeiter!

Du unterstützt deine Kollegen im Einrichtungshaus bei Verkaufshilfen und Preisauszeichnungen – wie unterstützt du außerdem schwerbehinderte Kollegen?

Anja: Ich bin im Januar 2015 zur zweiten Stellvertreterin der Gesamtschwerbehindertenvertretung (GSBV) gewählt worden. Hier in Walldorf unterstützen wir in der Schwerbehindertenvertretung (SBV) 30 schwerbehinderte und gleichgestellte Mitarbeiter – sie machen rund zehn Prozent unserer Belegschaft aus.

Was liegt dir für deine Kollegen am Herzen?

Anja: Mit meinen Wünschen und meinem Engagement knüpfe ich an Ingvars Ideen vom sozialen Arbeitgeber an. Es geht darum Bedingungen zu schaffen, die jedem die gleiche Chance eröffnen, ein Teil der Arbeitswelt und der Gesellschaft zu sein. Bei IKEA werden die Mitarbeiter nicht wegrationalisiert, sondern integriert – dass das so bleibt, dafür kämpfe ich! Dafür ist eine gute Kommunikation wichtig, die Missverständnisse aus dem Weg räumt und die für die jeweiligen Bedürfnisse sensibilisiert.

Wie kümmerst du dich um dein eigenes Wohlergehen und woher nimmst du die Energie, jeden Tag dein Bestes zu geben?

Anja: Ich möchte einen guten Job machen, deswegen gebe ich eher 120 Prozent. Meine Arbeit ist meine Leidenschaft, außerdem bin ich ein Meister der Stressbewältigung. Wenn es mir doch zu viel wird, ziehe ich mich nach der Arbeit zurück, um mir mit meiner Tuba den Stress von der Seele zu spielen. Oder ich genieße unseren schönen Garten.