Vom Bauhausfenster zum Glascontainer

© Bauhaus-Archiv Berlin, Foto Aurelio Schrey

Das Bauhaus-Archiv in Berlin zählt zu den meistbesuchten Museen in Deutschland. Jedes Jahr strömen rund 115.000 Besucher dorthin und zeigen, dass Design heute längst nicht mehr Nischenthema, sondern Massenphänomen ist. Nach fast hundertjähriger Bauhaus-Geschichte platzt das Museum mit seiner umfangreichen Sammlung inzwischen aus allen Nähten. Bis der Erweiterungsbau realisiert wird, muss erst einmal ein Provisorium her. Und was würde sich dafür besser eignen als echte, historische Bauhausfenster?

Ikea Bauhaus 4 Ikea Bauhaus 3 © Bauhaus-Archiv Berlin, Foto Aurelio Schrey © Bauhaus-Archiv Berlin, Foto Aurelio Schrey

Geometrische Formen, Flachdach, „Glasvorhang“ und Stahlbeton –Bauhaus ist in Architektur, Industrie- und Möbeldesign der Klassiker der Moderne und noch immer prägend für das Bild modernistischer Strömungen. Viele der Bauten, die in seiner Blütezeit in den 1920er und 30er Jahren unter diesem Einfluss entstanden, zählen heute zu den Ikonen der Architektur des 20. Jahrhunderts. Der Anspruch der neuen Richtung war, Kunst und Handwerk miteinander zu vereinen und so die moderne Gesellschaft mitzugestalten.

Als „Museum für Gestaltung“ beherbergt das 1960 gegründete Bauhaus-Archiv in Berlin die weltweit größte Bauhaus-Sammlung. Zehntausende Dokumente, Grafiken, Architekturmodelle, Fotografien und Designobjekte zeigen die Geschichte und Wirkung des Bauhauses in einer ständigen Ausstellung. Weil mit der Zeit jedoch immer mehr Objekte dazukamen, mangelt es schon länger an ausreichender Ausstellungsfläche. Ein dringend nötiger Erweiterungsbau ist bereits in Planung, kann aber erst zum 100. Jubiläum des Bauhauses 2019 errichtet werden. Nun wurde für die Übergangszeit eine temporäre Lösung gesucht und gefunden.

Recyceltes UNESCO-Weltkulturerbe

In Kooperation mit den Architekten von „zukunftsgeräusche“, der Knobelsdorff-Schule und der TU Berlin sowie durch die Förderung der IKEA Stiftung entstand direkt vor dem Museumseingang ein gläserner Container. Das Besondere daran: Der neue Ausstellungs-Pavillon besteht aus 33 Original-Fenstern aus dem Nordflügel des Bauhauses in Dessau und 10 Balkontüren aus dem historischen Atelier-Gebäude – beides „recyceltes UNESCO-Weltkulturerbe“.

Dabei werden die bauphysikalischen Defizite der alten Einfachverglasung nicht mit aufwendiger Haustechnik, sondern mit einfachsten Mitteln ausgeglichen: mehrschalige Fassade, textile Verschattungsmembrane, intelligentes Lüften. „Bauhaus re use“ heißt das Projekt, mit dem der Architekt Robert K. Huber zeigen will, dass neueste Energie-Spar-Erkenntnisse auch in Kombination mit Recycling und Ressourcen-Schutz umgesetzt werden können. Und weil dieses Vorhaben nicht nur der Kunst- und Architekturgeschichte dient, sondern auch ein deutliches Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit setzt, wird es von der IKEA Stiftung gern unterstützt. Auch in Fachkreisen findet die Aktion große Zustimmung und wurde ganz frisch für den DAM Architekturpreis 2017 nominiert.