„Wenn ich sage, dass ich etwas nicht kann, sollte ich es zuerst ausprobiert haben!“

Bei IKEA Deutschland arbeiten aktuell 612 schwerbehinderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, unter ihnen viele, von deren Behinderung Außenstehende gar nichts wissen. Denn die Ursache für eine Schwerbehinderung muss nicht immer offensichtlich sein. Auch Krankheiten wie Diabetes oder Krebs können dazu führen. Bei Melvin McFarland ist das anders, denn dass er nur einen Arm hat, sieht man auf den ersten Blick. Wie er und andere Menschen damit umgehen erzählte er mir, als ich ihn an seinem Arbeitsplatz besucht habe.

MelvinMcFarland Mitarbeiter Melvin McFarland ist ein Meister der Improvisation.

Hej Melvin, einige deiner Kollegen kennen deine Trainingsvideos, die du auf  youtube gestellt hast – was hat dich motiviert, sie zu produzieren und ins Netz zu stellen?

Melvin: Vor drei Jahren habe ich zwei Videos gemacht, um anderen zu zeigen, was möglich ist. Dass ich einen Stumpf habe, hält mich nicht davon ab, meinem Körper mit Krafttraining etwas Gutes zu tun! Einige finden das faszinierend, für mich ist das ganz normal, Sport macht mich ausgeglichen.

Du wirst bald vom Kundenservice in die Logistik wechseln. Für einen Menschen mit einem Arm und einem Stumpf eher außergewöhnlich – hattest oder hast du manchmal Zweifel, ob Du das schafft?

Melvin: Ich bin der Meinung, wenn ich sage, dass ich etwas nicht kann, sollte ich es zuerst ausprobiert haben! Ich habe keine Bedenken und freue mich auf die neue Stelle.

Wie hantierst du schwere Ware? Hast du Hilfsmittel?

Melvin: Ich habe zwar eine Prothese, aber am wichtigsten ist die Technik: Um selbstständig arbeiten zu können, setze ich auf Hebelwirkung. Das habe ich mir übrigens von den weiblichen Kollegen abgeschaut! Welche Herausforderung sich dir auch stellt, es hilft, kreativ zu sein und sein Umfeld zu beobachten!

Wie kam es zu dem Stumpf?

Melvin: Das habe ich von Geburt an. Ich habe früh gelernt, mich gegen meine Brüder durchzusetzen – von ihnen wurde ich gleichbehandelt und so habe ich gelernt, dass ich mir viel zutrauen kann!

Wie kamst du zu IKEA?

Melvin: Ich machte ab 1998 meine Ausbildung in Hanau, anschließend habe ich dort aufgehört, gejobbt und mich ausprobiert. Schließlich realisierte ich, dass IKEA einfach das Passende für mich ist. Die Kollegen und Vorgesetzten haben mich machen lassen, wenn ich wollte – ob Behinderung oder nicht, sowohl im Team als auch selbständig. Seit 2006 bin ich im Kundenservice tätig und ab Mitte Juni im Einrichtungshaus Frankfurt in der Logistik.

Wie ist der Kundenkontakt für dich?

Melvin: Bei anderen Arbeitgebern habe ich erfahren, dass es Berührungsängste gab, beim Kundenkontakt und bei den Mitarbeitern. Bei IKEA ist es ganz anders, hier herrscht eine familiäre Atmosphäre und die Kunden wie auch die Kollegen begegnen mir offen – bei IKEA zu arbeiten ist das Beste, was einem passieren kann!

Wirst du im Einrichtungshaus bei der Arbeit auf deine Behinderung angesprochen?

Melvin: Ja, oft. Mir ist es lieber, ich werde gefragt, warum ich einen Stumpf habe, als angestarrt zu werden. Allerdings antworte ich nur, wenn aus wirklichem Interesse gefragt wird. Wenn lediglich Sensationslust dahinter steckt, dann weise ich darauf hin, dass das privat ist.

Was möchtest du anderen Mitarbeitern mitgeben?

Melvin: Ich möchte ein gutes Vorbild sein, andere aus ihrem Schneckenhaus holen. Auch in schwierigen Lebenslagen rate ich dazu, Mut zu fassen und einfach mal zu machen! Sich aktiv beteiligen ist ebenso wichtig wie auf sich selbst aufzupassen. Der Behindertenbetriebsrat kann eine große Hilfe sein, aber auch hier gilt: Du musst selbst die Initiative ergreifen!