Gegen das Vergessen

Ernst Richter vom Verein WETZLAR ERINNERT e.V.

Wo heute IKEA Wetzlar steht, gab es früher Werksanlagen der Firma Buderus – einige erinnern sich an die Sprengung der drei 77 Meter hohen Silos des früheren Zementwerkes. Weniger bekannt ist, dass zwischen 1943 und 1945 dort ein Zwangsarbeiter­lager der Buderus‘schen Eisenwerke stand, ebenso wie das Haus des ermordeten Buderusarbeiter Erich Deibel. Aus diesem Grund gibt es jetzt zwei Gedenktafeln am Fußweg von der Hermannsteiner Straße zum IKEA Eingang, die Anfang Dezember feierlich enthüllt wurden. Mit dabei: Ernst Richter vom Verein WETZLAR ERINNERT e.V., Oberbürgermeister Manfred Wagner, Oliver Barta (Bosch) und Einrichtungshauschef Detlef Boje. „Als mich Herr Richter fragte, ob wir uns eine Gedenktafel auf diesem Gelände vorstellen könnten und wir uns auch an den Kosten beteiligen, war die Entscheidung klar“, sagte Detlef Boje. Damit möchte IKEA einen kleinen Beitrag zu einer positiven Veränderung in der Gesellschaft leisten, und gegen das Vergessen.

Ikea Cb Gedenktafeln Wetzlar 03 (v. l. n. r.) Dagmar Schmidt (MdB), Frank Steinraths (MdL), Oberbürgermeister Manfred Wagner, Oliver Barta (Bosch), Ernst Richter (WETZLAR ERINNERT e.V.) und Detlef Boje (IKEA)

„Wir möchten mit den Gedenktafeln darauf hinweisen, dass Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist“, sagte Ernst Richter während der Enthüllung. Sein Verein „WETZLAR ERINNERT e.V.“ wird auch von dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert.

Ikea Cb Gedenktafeln Wetzlar Detlef Boje, Einrichtungshauschef IKEA Wetzlar

„Wir freuen uns, dass wir mutige Menschen ehren dürfen“, so Detlef Boje in seiner kurzen Ansprache. „Gleichzeitig mischt sich in diese Freude immer auch ein bitterer Beigeschmack. Umso wichtiger ist es, die stillen Helden von damals nicht zu vergessen und sich ihrer zu erinnern.“ Heute sei es selbstverständlich, dass Unternehmen eine hohe Verantwortung tragen, Menschenrechte zu achten. „IKEA ist ein humanistisches, sehr werteorientiertes Unternehmen“, so Detlef Boje. Unser Grundsatz zu Menschenrechten und Gleichberechtigung besagt, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleiche Chancen bekommen und fair behandelt werden müssen – ungeachtet ihres Alters, ihrer Geschlechtsidentität, sexuellen Orientierung, körperlichen Fähigkeit, Ethnizität, Nationalität, Religion, ihres Familienstandes und sonstiger Dimension ihrer Identität.

Ikea Cb Gedenktafeln Wetzlar 02 Auch eine kleine Ausstellung im Eingangsbereich von IKEA Wetzlar erinnert an die NS-Zeit.

„Überall heißen wir die Einzigartigkeit all unserer Mitarbeiter willkommen. Sich um die Menschen zu kümmern, Vielfalt und das Miteinander zu fördern, sind tief in unseren Werten verankert.“ Mit über 110 Nationalitäten, die bei IKEA in Deutschland beschäftigt sind, zeigen wir Flagge für Vielfalt. Für den Einrichtungshauschef ist der Standort in Wetzlar-Niedergirmes der bunteste Stadtteil. Hier hat jeder Dritte keinen deutschen Pass, jeder Zweite hat einen Migrationshintergrund. Und auch bei IKEA Wetzlar arbeiten Menschen aus 18 Nationen, darunter ein Auszubildender, der vor kurzer Zeit aus Eritrea nach Deutschland geflüchtet ist.

Es liegt natürlich auch an jedem einzelnen, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, „in der sich alle miteinbezogen fühlen und in der alle die gleichen Möglichkeiten haben“, so Detlef Boje.