BILLYs Büchertipp im Juli

Nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern genau richtig: So könnte man die schwedische Lebensart „Lagom“ beschreiben, die für Ausgewogenheit, Harmonie und das richtige Maß steht. Das trifft auch auf die schwedische Küche zu, die nach diesem Prinzip zwar unaufgeregt und einfach ist, aber auch unglaublich lecker! Viele Tipps und leckere Rezepte findet ihr in unserem neuen Büchertipp So schmeckt Schweden von Margareta Schildt-Landgren.

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Neben Die neue nordische Küche und Das Schweden-Kochbuch ist So schmeckt Schweden das dritte auf Deutsch erschienene Kochbuch der schwedischen Food-Journalistin, Rezeptentwicklerin und Autorin Schildt-Landgren. Ihr besonderes Interesse gilt regional produzierten, hocharomatischen Lebensmitteln, die vor allem die schwedische Küche prägen. Der kulinarische Alltag in Schweden richtet sich, entsprechend dem Lagom-Prinzip, nach den Jahreszeiten, Traditionen und Festen, zu denen es stets die passende Köstlichkeit gibt. Ob Rhabarber im Frühling, frische Beeren und Krebse im Sommer, Pilze im Herbst oder Wildfleisch und Wurzelgemüse im Winter, lagom schmeckt immer anders.

Schon beim Durchblättern des Buches fallen die stimmungsvollen Fotos von Christina Uhlin auf, die sich als Fotografin auf Food, Mode, Interieur, Garten und Porträts spezialisiert hat. Neben zahlreichen Eindrücken aus der schwedischen Natur wird zu jedem Rezept eine kunstvolle, aber keineswegs gekünstelte Detailaufnahme zum Thema Essen gezeigt. Dabei handelt es sich weniger um eine Kochhilfe als um eine Inspiration, die nicht zwingend das beschriebene Gericht abbildet. Das Buch ist großzügig mit vielen Leerräumen gestaltet und auf zurückhaltende, nordische Weise sehr ästhetisch.

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Auf den ersten Blick scheint die Sortierung der Rezepte nach Jahreszeiten ungewöhnlich, doch sie zeigt anschaulich, was lagom bedeutet. Das Buch enthält 46 teils einfache, teils ausgefallene Rezepte. Der Frühling ist mit den wenigsten (5), der Herbst mit den meisten (18) Gerichten vertreten – klar, denn in dieser Jahreszeit haben einfach mehr Zutaten Saison! Es gibt herzhafte „Klassiker“ wie Köttbullar, deftigen Elchbraten und Variationen von Meeresfrüchten, Kabeljau mit Meerrettich oder den für mitteleuropäische Gaumen gewöhnungsbedürftigen Surströmming, vergorenen Hering. Einige Rezepte klingen eher eigentümlich, z. B. gesäuerte Möhren mit Weißkohl und Wacholder oder Hummersalat mit gepökelter Ochsenbrust und Wurzelgemüse. Vegetarier finden hier nur eingeschränkt Rezepte zum Nachkochen.

Fast die Hälfte der vorgestellten Gerichte sind Süßspeisen, vom Apfelkuchen bis zur Zimtschnecke, über Pfannkuchen mit Blaubeeren und Preiselbeerkonfitüre. Alle Rezepte sind übersichtlich gestaltet und die Zutaten in der Reihenfolge sortiert, in der sie benötigt werden. Die Zubereitung wird in wenigen Schritten, größtenteils ausführlich, bisweilen recht knapp erklärt. Was ich schade finde: Einige typisch schwedische Zutaten sind in Deutschland nur schwer oder gar nicht erhältlich, z. B. Kaisergranat, Birkensaftessig oder Moltebeeren. Das macht ein authentisches Nachkochen schwierig. Zwar werden manchmal Alternativen genannt, vor allem bei Fleischgerichten, wo Elch durch Hirsch oder Kalb ersetzt wird, wie sich dies jedoch auf Garzeiten oder Geschmack auswirkt, erwähnt die Autorin (oder die Übersetzerin) leider nicht.

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Wie schmeckt also lagom?

Ich gebe zu, dass mich hauptsächlich die „süßen“ Rezepte angesprochen haben, nicht nur, weil ich ohnehin einen süßen Zahn habe, sondern weil ich die meisten Zutaten zu Hause vorrätig habe oder problemlos besorgen kann. Mit Schweden verbinde ich vor allem Zimtschnecken, und somit ist klar, was ich zuerst ausprobiere: Sie stehen unter den Sommerrezepten (S. 51), für mich sind sie ein Gebäck, das zu jeder Jahreszeit passt.

Das Rezept ist verständlich aufgebaut und lässt sich leicht nachbacken. Der Hefeteig wird angerührt, nicht geknetet – und gelingt auf Anhieb! Er geht gut auf und ist fluffig. Die Füllung ist schnell vorbereitet, auch wenn ich abweichend vom Rezept die Butter geschmolzen habe, um sie mit dem Zimt-Zucker zu verrühren. So lässt sich die Masse leichter auf dem Teig verteilen. Auf Muffinförmchen aus Papier habe ich verzichtet und die Zimtschnecken direkt aufs Blech gelegt. Dadurch „kleben“ sie zwar am Ende leicht aneinander, was aber nur rein optisch stört. Die angegebene Backzeit von 6-8 Minuten bei 250° C war für meinen Ofen zu knapp bemessen: Erst nach etwa 15 Minuten hatten Zimtschnecken eine goldbraune Färbung. Durch die doppelte Backzeit (oder doch das fehlende Ei im Teig?) waren sie leicht trocken und weniger saftig als erwartet. Mir persönlich fehlte etwas Kardamom im Teig – den werde ich beim nächsten Mal einfach untermischen.

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Semlor (Winter, S. 125)

Selbstverständlich wollte ich ein mir unbekanntes Gericht versuchen. Am Wochenende backe ich meist eine Leckerei für die Familie und so fiel meine Wahl auf die köstlich aussehenden Semlor. Traditionell werden diese mit Marzipan und Sahne gefüllten süßen Hefebrötchen nur am Faschingsdienstag vor Beginn der Fastenzeit gegessen. Mittlerweile finden sie sich aber auch immer häufiger zwischen Weihnachten und Ostern auf schwedischen Kaffeetafeln, weil sie so unglaublich lecker sind.

Die Zubereitung des Hefegebäcks ist an sich kaum aufwändig, ebenso wie die Füllung aus Sahne und Marzipan. Trotzdem hatte ich mit diesem Rezept so meine Schwierigkeiten: Zum einen musste ich deutlich mehr Mehl hinzugeben (fast ein Viertel mehr als vorgesehen!), weil der Teig wahnsinnig klebrig war und sich überhaupt nicht formen ließ. Zum anderen habe ich die Backzeit wieder verdoppelt. Leider sind die Hefebrötchen während des Backens auf der Oberseite „aufgerissen“ und nicht so schön glatt wie auf dem Rezeptbild. Doch zum Glück hat das keinen Einfluss auf den Geschmack! Die Semlor sind zwar wirklich sehr reichhaltig, machen jedoch extrem süchtig – zumindest diejenigen, die Marzipan mögen. Ein Rezept, das ich sicher noch öfter backen werde!

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Schwedischer Gurkensalat (Frühling, S. 16)

Eine leichte und schnell vorbereitete Beilage ist der schwedische Gurkensalat. Das Besondere: die Soße kommt ohne Öl aus, die Gurkenscheiben werden lediglich in Wasser, Essig, Zucker, Salz, Pfeffer und viel frischer Petersilie eingelegt. Laut Rezept kommen 4 Esslöffel Zucker auf 250 ml Wasser – das erschien mir jedoch arg viel, weshalb ich die Menge halbiert habe. Die süß-saure Marinade ergänzt die bitteren Gurken wirklich gut, dennoch ist sie mir einen Tick zu süß. Ich persönlich würde noch etwas weniger Zucker verwenden, dann hat der Salat gute Chancen, zum Hit des nächsten Gartenfests zu werden!

Fazit

Mit So schmeckt Schweden liefert Margareta Schildt-Landgren eine außergewöhnliche Sammlung an landestypischen Basisrezepten, mit denen sie, wie sie selbst sagt, Freude am Kochen vermitteln und dazu anregen möchte, eigene Rezepte zu entwickeln. Sicherlich handelt es sich bei diesem Buch nicht um ein Standardwerk der schwedischen Küche. Dafür ist es zu wenig ausführlich und manchmal sehr ungenau. Es richtet sich vielmehr an Menschen, die mit den Grundtechniken des Kochens und Backens vertraut sind und Schweden bzw. schwedisches Alltagsessen besser kennenlernen wollen. Die schön gestalteten Seiten machen definitiv Lust, etwas Neues auszuprobieren: Rhabarber mit knuspriger Haferdecke, Vogelbeeren-Apfel-Gelee oder Karamellbonbons mit Röstmandelaroma … mein Buch ist noch gut gefüllt mit kleinen Klebezetteln. Smaklig måltid!

Bibliographische Angaben

So schmeckt Schweden: Die besten Rezepte für jede Jahreszeit. Lagom – kochen und genießen in Balance
Originaltitel: Lagom Svenskt
von Margareta Schildt Landgren
mit Fotos von Christina Uhlin
Deutsch von Marie-Luise Schwarz
Busse Seewald Verlag
Veröffentlichung: 17. Januar 2018
Gebundene Ausgabe, 128 Seiten
ISBN 978-3-772-47469-9