BILLYs Büchertipp – Februar

Seit 40 Jahren ist BILLY aus dem Leben vieler Bücherfans nicht mehr wegzudenken. Wie das Kultregal so gehört auch „LAGOM“ zu Schweden und steht für ein typisch skandinavisches Lebensgefühl. Ich hörte es das erste Mal Ende der 80er Jahre, als ich als Au-pair bei einer Familie in Stockholm wohnte und arbeitete. „Weißt du“, sagte mein Gastvater Jack, damals Anfang 50 und ein ausgesprochener Deutschkenner, „für Lagom gibt es kein Wort in eurer Sprache. Das gibt es nur bei uns. Es heißt so viel wie ,genau richtig‘, also nicht zu heiß und nicht zu kalt, nicht zu laut und nicht zu leise.“

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Damals sprach noch niemand von Achtsamkeit und Balance, und doch geht es genau darum. Das schön gestaltete Buch „LAGOM – Lebe glücklich wie die Schweden“ handelt von diesem skandinavischen Lebensgefühl und gibt zahlreiche „Inspirationen und Ideen für ein Leben in Balance“.

Die Autorin Susanne Schaller liefert eingangs eine schöne Erklärung zu ihrem Buchtitel. Jeder kennt die Frage: „Ist das Glas halb leer oder halb voll?“ Diese Frage stelle niemand in Schweden. Denn dieser Zustand ist lagom, genau richtig eben. Jemand hat seinen Durst gestillt und kann sich darauf freuen, dass es noch etwas gibt. Die Schweden suchen den Ausgleich und finden in jeder Situation das Beste. Eben diese Balance mache zufrieden – nicht umsonst gelten die Skandinavier seit Jahren als die glücklichsten Nationen der Welt.

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Lagom: Kein Meeting nach 16 Uhr

Gespickt mit vielen leckeren Rezepten (von der typisch schwedischen Blaubeersuppe bis zu den SEMLOR Faschingskrapfen) macht das Buch nicht nur Lust auf skandinavische Küche, sondern gibt auch zahlreiche Entschleunigungsideen mit Dehnübungen oder Basteltipps. Überhaupt wird kein Lebensbereich ausgelassen: Es gibt zahlreiche Tipps, wie sich die persönliche Mitte im Tagesablauf, im sozialen Leben, bei Mode, Ernährung, Einrichtung, Beruf und Freizeit finden lässt.

Beispiel Job: In Schweden findet nach 16 Uhr kein Meeting mehr statt. Dann machen sich viele Eltern auf den Weg und holen ihre Kinder von der Betreuung ab. Dafür ist der Tag wohl strukturiert und effektiv genutzt. Zwar werden Themen ausführlich mit allen diskutiert. Ist der Plan jedoch einmal gefasst, wird er zielgerichtet umgesetzt und es geht schnell. Eine erholsame Mittagspause und pünktlicher Feierabend sind lagom.

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„Schweden stellen sich selber nicht so stark in den Mittelpunkt“

In meiner Zeit als Au-pair ist mir schon aufgefallen, dass die Schweden wesentlich entspannter sind als wir Deutschen. Denn „das Zusammensein im Land von Lagom funktioniert so, dass alle eingebunden und zufrieden sein sollen“, schreibt die Autorin. Es gibt keine Ellbogen-Mentalität und permanenten Wettbewerb. Interessant finde ich ihre Beobachtung, dass Schweden und Skandinavier auch einen entspannteren Umgang mit Gesundheit und Krankheit haben. Dass sie darauf nicht so fixiert sind, liege an Lagom. „Schweden stellen sich selber nicht so stark in den Mittelpunkt. Sie schauen erstmal, ob es den anderen gut geht. Dabei können sie davon ausgehen, dass eben die anderen auch nach ihnen schauen.“

Sehr bildlich wird dieses Beispiel bei der schwedischen Kaffeepause, der FIKA. Das letzte Stückchen Kuchen sollte man sich nicht einfach nehmen, sondern erst alle fragen. Wenn keiner mehr will, darf man zugreifen.

Und was ist mit dem Thema Wohnen? Ein Einrichtungsstil, der lagom lebt, setzt auf gedeckte Farben. Vor diesem dezenten Hintergrund wirken natürliche Materialien wie helle Hölzer, dunkle Leder und strukturierte Textilien. „Wähle Dinge, die dich lange, ja vielleicht ein Leben lang begleiten werden. Dinge, die durch den Gebrauch schöner werden und eine Pantina bekommen. In ihnen findest du deine Konzentration“, empfiehlt Susanne Schaller. So wie in dem Bücherregel-Klassiker BILLY, der sehr skandinavisch lagom daherkommt. Unaufdringlich und genau richtig.


Bibliographische Angaben:

„LAGOM – Lebe glücklich wie die Schweden“

Von Susanne Schaller

Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH

ISBN 978-3-625-18093-7


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