BILLYs Büchertipp August – Die Känguru-Chroniken

Dass eine Wohngemeinschaft auch zur Grenzerfahrung werden kann, hat der eine oder andere sicher schon erlebt. Im Fall von Marc-Uwe Kling kommt diese Erfahrung in Känguru-Gestalt daher und stellt das Leben des Liedermachers, Kabarettisten und Kleinkünstlers gehörig auf den Kopf.

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Eines Tages klingelt das Känguru an Marc-Uwes Tür – eigentlich, um sich zwei Eier zu leihen. Aus zwei Eiern wird schnell auch der Rest der Zutaten für die Leibspeise des Kängurus, Pfannkuchen, und kurze Zeit später auch der Einzug des Beuteltiers in Marc-Uwes Wohnung. Womit sich schon eine der signifikantesten Eigenschaften des Kängurus zeigt: Seine überaus schamlose, grundsarkastische und direkte Art. Während Marc-Uwe noch nicht so recht weiß wie ihm geschieht, nehmen die Dinge schon ihren Lauf. Es folgen rund 250 Seiten gefüllt mit den völlig absurden Ansichten eines vorlauten Beuteltiers – mal bissig, mal verschroben, dann wieder liebevoll ironisch. Eines kann ich versprechen: von Schmunzeln über Grinsen bis hin zu lautem Lachen – dieses Buch verlangt einem alles ab!

Während das Känguru seinen Mitbewohner gerne bei jeder Gelegenheit mit seinem ungeregelten Arbeitsalltag als Kleinkünstler aufzieht, geht es selbst gar keiner Beschäftigung nach. Begründung seitens des Beuteltiers: „Ich bin Kommunist! Was dagegen?“ Nur logisch also, dass Marc-Uwe für den Lebensunterhalt des Kängurus aufkommt. Das Zusammenleben der beiden Parteien dieser ungewöhnlichen Wohngemeinschaft entwickelt sich schnell zu einer fast eheähnlichen Beziehung – die unter anderem durch Diskussionen in Dauerschleife geprägt ist, da sich beide nur wenig nachgiebig zeigen. Die Themenfülle aus dem Leben der Protagonisten scheint endlos und reicht von Gesellschafts- und Medienkritik über Staat und Kapitalismus bis hin zu Bertolt Brecht, der RAF und – nicht zu vergessen – den Vietcong.

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Die Komik der Chroniken findet ihre regelmäßigen Höhepunkte in den absurden Aktionen des Kängurus – die aber nahezu selbstverständlich als Freiheiten des Beuteltiers abgetan werden. Ein kleines Beispiel: Das Känguru kann dem Gründer der fiktiven rechtspopulistischen Partei, Jörn Dwigs, auf einem Stehempfang mir nichts, dir nichts ans Bein pinkeln – einfach weil es gerade beschlossen hat, Redewendungen wörtlich zu nehmen.

Auch IKEA spielt in einem Kapitel der Känguru-Chroniken eine Rolle, als es nämlich darum geht, wie sich nach Känguru-Theorie am besten ein Mord vertuschen lässt. Neugierig geworden, wie das perfekte Verbrechen à la Känguru aussieht? An dieser Stelle sei nur so viel verraten: Einem Teppich aus unserem Sortiment kommt eine tragende Rolle zu – und vielmehr noch, macht der Teppich den Komplott doch perfekt.

Bibliographische Angaben

Die Känguru-Chroniken
von Marc-Uwe Kling
Verlag: Ullstein
ISBN 978-3-548-37357-0

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