Der Luxus des Schlafs

Kilian Kleinschmidt fordert einen Qualitätsstandard für Schlaf, der für jeden Menschen zur Verfügung steht. © Dirk Dasskarl

Mit 40 Experten haben wir uns im März beim ersten IKEA Expertenforum in Berlin zum Thema Schlaf ausgetauscht. Die Keynote-Speaker Katharina Kunzmann (Journalistin, Buchautorin und Schlafbloggerin), Dr. Guy Meadows (Schlafmediziner, Gründer der Londoner „The Sleep School“ und Autor) und Kilian Kleinschmidt (Krisenmanager, Leiter von Flüchtlingslagern und Autor) berichteten in diesem Rahmen über ihre Erfahrungen zum Thema Schlaf.

Nachdem wir bereits einen Blick auf die Vorträge von Katharina Kunzmann und Dr. Guy Meadows geworfen haben, lassen wir heute die Worte von Kilian Kleinschmidt Revue passieren. Ihm fällt die nächtliche Ruhepause aufgrund eines Überfalls im afrikanischen Uganda im Jahre 1991 besonders schwer. Der ehemalige Leiter des zweitgrößten Flüchtlingslagers der Welt beschreibt den Schlaf als Luxusgut, der oft tatsächlich nur reichen Menschen vorbehalten ist.

Ergänzend zu seinem Vortrag, den ihr hier komplett sehen könnt, haben wir Kilian zu seiner Vision für guten Schlaf für alle Menschen befragt.

Ikea Kleinschmidt 01 Kleinschmidt im Gespräch über seine Schlaf-Erfahrungen. © Dirk Dasskarl

Du sagst, dass Schlaf ein Luxusgut ist. Wie könnten sich auch mehr arme Menschen diesen Luxus leisten?

Man müsste sich auf einen physischen Standard einigen, also Platz, Matratze, Decke und Kopfkissen einer bestimmten Qualität. Und dieser Standard sollte für jeden Menschen zur Verfügung stehen. Die Qualität des Schlafs ist sehr wichtig. Da ärmere Menschen sich oft einen Raum zum Schlafen teilen müssen, wird der Schlaf gestört und man schläft nicht so tief, wie es eigentlich nötig wäre. Unser Schlaf sollte wieder mehr Respekt genießen: Wir alle sollten die Nachtruhe unserer Nächsten respektieren. Ungestörter Schlaf ist ein Recht jedes Menschen und sollte somit jedem zur Verfügung stehen. Um das alles ermöglichen zu können, muss den ärmeren Menschen geholfen werden. Hier wäre eine Art Schlaffinanzierung von Vorteil. Eine Idee wären Schlaffonds, die Kredite und Subventionen für Arme ermöglichen, am besten mithilfe einer Kooperation mit den Herstellern von Betten, Matratzen etc. Also, dass beispielsweise ein prozentualer Anteil bei einem Kauf einer Matratze in diese Schlaffonds fließt.

Ikea Kleinschmidt 02 Alle Vorträge wurden grafisch festgehalten. © Dirk Hasskarl

Wieso war das Schlafmanagement so eine schwierige Aufgabe, als du im Flüchtlingslager tätig warst?

Es wurde immer dann schwer, wenn sich fünf oder mehr Personen ein Zelt oder einen Wohncontainer teilen sollten. Durch den gemeinsam genutzten Raum schliefen die Personen schlechter. Außerdem war in diesen Zelten keine Privatsphäre gegeben. Das Resultat war eine sehr angespannte Atmosphäre, Aggression, Frustration und Neid auf die Personen, die mehr Platz hatten. Erst wenn mehr Platz vorhanden war, kehrte wieder Ruhe in das Lager ein.

Wird es irgendwann einen Tag geben, an dem jeder diesen Luxus genießen darf oder kann?

Eine sehr schwere Frage. Ich hoffe es, aber da ich selber nicht vernünftig schlafe, kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten.