Fair, gleich, bunt – IKEA feiert IDAHOT

Alljährlich begehen wir bei IKEA den IDAHOT (Internationaler Tag gegen Homophobie, Biphobie und Transphobie) mit unseren Mitarbeitern und Kunden. Wir wollen damit ein Zeichen setzen und für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft eintreten.

Anlässlich des heutigen IDAHOT habe ich mit Albert Kehrer von PROUT AT WORK darüber gesprochen, wie er die Situation der LGBT+ Community im Arbeitsleben heute einschätzt und was seiner Meinung nach notwendig ist, um eine tatsächliche Gleichberechtigung zu erreichen.

Ikea Cb Idahot 2019 1 Albert Kehrer, Vorstand und Mitstifter der PROUT AT WORK Stiftung ©Jan Patrick Margraf


Albert Kehrer ist Vorstand und Mitstifter der gemeinnützigen PROUT AT WORK Stiftung, die sich für die Chancengleichheit von Menschen jeglicher sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität und/oder geschlechtlichen Ausdrucks/Merkmale am Arbeitsplatz einsetzt. Konkret geht es um Maßnahmen für Schwule, Lesben, bisexuelle, transgender und intersexuelle Menschen am Arbeitsplatz.

Die Stiftung arbeitet mit zwei Zielgruppen: einmal den LGBT+ Netzwerken, die es heute in vielen Unternehmen bereits gibt, und zum anderen mit den Personalabteilungen und Diversity-Beauftragten, um sie dabei zu unterstützen, die richtigen Maßnahmen zu identifizieren und umzusetzen.

Heute zählt die Stiftung 36 Unternehmenspartner, die ihre Arbeit finanzieren.


Herr Kehrer, wie sieht die Lebens- und Arbeitssituation der LGBT+ Community heute in Deutschland aus?

Positiv ist, dass immer mehr Menschen heute den Mut haben, sich am Arbeitsplatz zu outen, das belegen auch Studien. Heute sind nur noch rund 30 Prozent nicht geoutet. Aber 76 Prozent der LGBT+ Community berichten auch, dass sie Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz gemacht haben oder machen. Von einer „heilen Welt“ kann also noch keine Rede sein, aber die gesetzlichen Regelungen der letzten Jahre wie die Ehe für alle und das Anti-Diskriminierungsgesetz haben doch dazu beigetragen, dass mehr Menschen sich outen und sich das Arbeitsumfeld insgesamt positiv verändert hat.

Was wir immer wieder erleben ist, dass der Umgang mit dem Thema sehr stark von den handelnden Personen abhängt: Auch wenn ein Unternehmen Diversity grundsätzlich unterstützt, können sich einzelne Manager trotzdem diskriminierend verhalten. Wenn man aber bedenkt, dass wir 2004 von bundesweit fünf LGBT+ Netzwerke in Unternehmen wussten und heute haben wir fast 80 dieser Netzwerke in unserem Verteiler, dann ist das ein Zeichen für eine positive Entwicklung.

Ikea Cb Idahot 2019 5 Albert Kehrer rät Unternehmen, aus echter Überzeugung LGBT+ freundlicher zu werden.

Das heißt, es ist leichter geworden, sich zu outen, aber die Gefahr, daraufhin diskriminiert zu werden, besteht immer noch?

Ja, denn Homophobie ist ein verbreitetes Phänomen: Die meisten Menschen haben kein Problem mit der Ehe für alle, wollen aber nicht, dass der eigene Sohn schwul ist. Und mit den Veränderungen in der politischen Landschaft, die wir aktuell erleben, sollten wir uns auch bewusst machen, dass die Fortschritte, die wir erzielt haben, nicht für ewig gesetzt sind.

Was kann ein Unternehmen tun, um LGBT+ freundlicher zu werden?

Wichtig ist, dass das Thema nicht nur besetzt wird, weil man damit neue Kunden oder Talente zu gewinnen hofft, sondern aus echter Überzeugung. Außerdem sollte das Thema ganz oben angesiedelt sein, also auch die Unternehmensspitze muss sich zu einer LGBT+ freundlichen Atmosphäre bekennen. Dann sollte man es in Diversity-Trainings integrieren und zu einem festen Bestandteil machen.

Ikea Cb Idahot 2019 7 Wir arbeiten bei IKEA schon seit längerem daran, dass unsere LGBT+ Mitarbeitenden bei der Arbeit ganz sie selbst sein können.

Woran erkennen LGBT+ Community-Mitglieder einen guten Arbeitgeber? Gibt es bestimmte Branchen, Unternehmensgrößen oder andere Kriterien, die besonders bekannt dafür sind, einen guten Umgang mit dem Thema zu haben?

Unternehmen, die es ernst meinen, kommunizieren anders! Sie nutzen keine Marketing-Sprache, wenn sie über das Thema sprechen. Das heißt, die externe Kommunikation gibt Hinweise. Außerdem ist die Existenz von LGBT+ Netzwerken ein guter Indikator für die Unternehmenskultur.

Wir arbeiten bei IKEA schon seit längerem daran, dass unsere LGBT+ Mitarbeitenden bei der Arbeit ganz sie selbst sein können. Was kann man noch tun, wenn wir diese Kultur bereits geschaffen haben und LGBT+ Mitarbeitende sich nicht verstecken müssen, sondern im Gegenteil in einer Arbeitsumgebung arbeiten, in der sie willkommen sind, respektiert und um ihrer selbst willen geschätzt werden?

Vor allem sollten Unternehmen das Erreichte nicht als Selbstverständlich betrachten, sondern weiter bewusst an dem Thema arbeiten. Gerade in Zeiten eines gesellschaftlichen Rechtsrucks braucht es ein klares Bekenntnis der Unternehmen. Dann ist es sicher auch so, dass viele Unternehmen schon recht weit sind, was die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben angeht, beim Thema Trans- und Intersexualität ist aber häufig noch viel zu tun. Spannend ist auch die Frage, ob bei der Personalentwicklung gezielt auch auf die LGBT+ Zielgruppe geachtet wird. Einfach gefragt: Machen LGBT+ Talente Karriere oder sind sie von bestimmten Entwicklungsschritten ausgeschlossen? Um dies zu erkennen, hilft ein gezieltes Monitoring.

Ikea Cb Idahot 2019 6 Wir glauben, dass die Einzigartigkeit jedes Einzelnen IKEA besser macht!

Was erwidern Sie Menschen, die meinen, wenn man sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zum Thema macht, würde man sie damit eigentlich erst problematisieren?

Ich kann gut verstehen, wenn heterosexuelle, weiße Männer von diesen Diskussionen, in denen auch immer eine gewisse Schuld zugewiesen wird, genervt sind. Tatsächlich haben wir alle unbewusste Vorurteile: Männer gegenüber Frauen, Frauen gegenüber Männern, aber auch die einzelnen Gruppen untereinander. Wichtig ist, dass man sich das bewusst macht und aktiv dagegen arbeitet.

Können heterosexuelle Verbündete, so genannte „straight allies“, zu einer besseren LGBT+ Inklusion beitragen?


Ja natürlich, wobei viele zögerlich sind, da sie ja selbst nicht zur LGBT+ Community gehören. Hilfreich ist, wenn heterosexuelle Menschen ihre Solidarität sichtbar machen, z.B. mit einem Regenbogen-Sticker o.ä., und bei negativen Kommentaren gegenüber LGBT+ Menschen nicht wegschauen, sondern Position beziehen. Wer Interesse hat, ist natürlich auch eingeladen, aktiv in Netzwerken mitzuarbeiten.

Und meine letzte Frage: Halten Sie Aktivitäten zum IDAHOT noch für zeitgemäß?

Ich halte es sogar für notwendig, weil es Diskriminierung und Homophobie immer noch gibt. Diese Tage sind eine gute Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf die Lebensrealität der LGBT+ Community zu lenken.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ikea Cb Idahot 2019 2 Die limitierte Edition KVANTING ist in allen deutschen IKEA Einrichtungshäusern erhältlich.

Wo andere schwarz-weiß sehen, sehen wir bei IKEA den Regenbogen. Deshalb verkaufen wir ab heute die FRAKTA Tasche in Regenbogen-Farben und fördern damit gleichzeitig Antidiskriminierungsprojekte.

Unter dem Namen KVANTING ist die limitierte Edition für 1,99 Euro in allen deutschen IKEA Einrichtungshäusern unter dem Motto „Fair, gleich, bunt.“ erhältlich. Für jede verkaufte KVANTING Tasche spendet IKEA 50 Cent. Die Spendensumme teilt sich auf zwei Organisationen auf, die sich für die Belange von jugendlichen LGBT+ Menschen in Deutschland einsetzen:

· Queere Bildung e.V. ist der Bundesverband der Vereine, Projekte und Initiativen, die Bildungs- und Aufklärungsarbeit zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt anbieten. Ihr Fokus liegt auf der Antidiskriminierungsarbeit insbesondere in der Schule und Jugendarbeit

· Lambda e.V. ist ein Jugendnetzwerk, das sich um die Belange von lesbischen, schwulen, bis, trans*, inter* und queeren Jugendlichen kümmert