Im Gespräch mit Mojib Latif: „Ich sehe hier noch gute Chancen“

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Ob die „Fridays for Future“ Bewegung auf der Straße, der UN Klimaschutzgipfel auf der Weltbühne oder ein nachhaltiger Lebensstil zuhause: Immer mehr Menschen engagieren sich für mehr Klimaschutz. Auch IKEA möchte möglichst viele Menschen für ein nachhaltiges Leben begeistern und geht mit ambitionierten Nachhaltigkeitszielen voran. Der Wandel gelingt nur, wenn alle gemeinsam handeln: Deshalb ist IKEA Deutschland seit fünf Jahren Partner von Klimaschutz-Unternehmen.

Der branchenübergreifende Zusammenschluss vereinigt Unternehmen aller Größenordnungen, vom Kleinunternehmen über familiengeführte Weltmarktführer bis hin zu internationalen Großkonzernen. Seine Mitglieder machen sich stark für mehr Klimaschutz. Am offiziellen Festakt zum 10-jährigen Jubiläum nahm auch Prof. Dr. Mojib Latif teil, einer der führenden Klimawissenschaftler Deutschlands. Er ist Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR). Die gute Nachricht: Es ist noch nicht zu spät, zu handeln.

Klimaschutz Festakt 58 Copyright Sascha Hilgers

Herr Prof. Latif, wie steht es um unseren Planeten aus Sicht der Klimawissenschaft? Gibt es neue Erkenntnisse aus der Klimawissenschaft?

Was die grobe Entwicklung angeht im Prinzip nicht. Wir wissen schon seit über drei Jahrzehnten, wohin die Reise geht. Die Computersimulationen von damals stimmen erstaunlich gut mit der tatsächlichen Temperaturentwicklung überein. Heute wissen wir aber, dass es bestimmte Kippelemente im System gibt. So könnte bei Überschreitung einer bestimmten Erderwärmung der Eispanzer Grönlands komplett abschmelzen mit einem Meeresspiegelanstieg von 7 Meter weltweit, selbst wenn wir danach keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Es sind diese unumkehrbaren Prozesse, die uns Sorgen machen, weil wir nicht genau wissen bei welcher Erderwärmung sie einsetzten. Deswegen sollte man die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzen, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart.

Was sind die wichtigsten Hebel, um den Klimawandel global aufzuhalten?

Wir haben es mit einem globalen Problem zu tun. Alle Länder müssen gemeinsam handeln. Ein Land alleine kann das Problem nicht lösen. Länder wie Deutschland müssen vorangehen, weil sie das technologische Know-how und die finanziellen Möglichkeiten haben. Am wichtigsten wäre der Umbau der weltweiten Energiesysteme in Richtung der erneuerbaren Energie bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Welche Chancen sehen Sie in der internationalen Klimadiplomatie, wirksame Mechanismen gegen den Klimawandel zu implementieren?

Ich sehe hier noch gute Chancen. Es muss allerdings einen Dreiklang von Politik, Wirtschaft und Finanzindustrie geben. Nur so können wir den notwendigen den Umbau der Energiesysteme zügig bewerkstelligen.

Auf welche Lebensbedingungen müssen wir uns in Mitteleuropa im Jahr 2050 einstellen?

Wir können im Wesentlichen die Trends der letzten Jahrzehnte für die kommenden Jahrzehnte fortschreiben. D.h. dass die Temperaturen werden noch weiter ansteigen und die Starkniederschläge zunehmen. In bestimmten Regionen wie zum Beispiel dem Mittelmeerraum wird die Trockenheit zu einem großen Problem werden. Außerdem werden die Meeresspiegel weiter steigen, was es heute schon erforderlich macht, die Deiche zu erhöhen.

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