Wie wäre es mit ein bisschen Zeit für mich?

Jeder Mensch braucht Zeit für sich – um nicht danach fragen zu müssen, ziehen wir uns zurück, zum Beispiel auf den Balkon.

Wie würdet ihr reagieren, wenn eure Liebsten euch mitteilen würden, dass sie jetzt gerne Zeit für sich hätten, die neue Serie eher allein als gemeinsam schauen möchten oder sich auf dem Balkon einfach mal zurückziehen wollen? Wärt ihr irritiert, verständnisvoll, verärgert? Die Frage nach Privatsphäre in den eigenen vier Wänden ist keine einfache – denn die Zeit zu Hause wird immer beeinflusst von den Menschen, mit denen man zusammenlebt sowie den Beziehungen untereinander.

Ikea Cb Lahr 2 2 Das eigene Bett ist ein sehr privater Ort, hier kann man unbeobachtet Zeit allein verbringen.

Im diesjährigen Life at Home Report hat IKEA Menschen auf der ganzen Welt zur Kraft der Privatsphäre befragt. Dabei ging es auch darum, wie man in den eigenen vier Wänden am besten mit der Frage nach (mehr) Privatsphäre umgeht. Zwar haben nur acht Prozent der Teilnehmer aus Deutschland das Gefühl, nicht das Recht zu haben, nach Privatsphäre fragen zu dürfen. Jedoch wird diese Frage oft als unhöflich aufgefasst – womöglich denkt die Person gegenüber dann, man schätze die Zeit nicht, die man doch gemeinsam verbringt? So sind 17 Prozent besorgt, dass ihre Mitbewohner es persönlich nehmen könnten, wenn sie nach Zeit für sich fragen. Die gleiche Prozentzahl gibt an, dass sie und ihre Mitbewohner andere Vorstellungen von Privatsphäre haben, was die Kommunikation darüber zusätzlich erschwert.

Woher und wie alt?

Ob es uns leichter oder schwerer fällt, Zeit für sich direkt einzufordern, hängt laut den Ergebnissen des Life at Home Reports auch mit dem Alter und kulturellen Hintergrund zusammen: Jungen Menschen zwischen 18 bis 34 Jahren fällt es schwerer, nach Privatsphäre zu fragen, als Erwachsenen über 55 Jahren (14 Prozent vs. 6 Prozent). Und auch die Kultur, in der man aufwächst und lebt, hat Einfluss darauf, wie wohl oder auch unwohl man sich damit fühlt: Deutschland liegt mit 58 Prozent, die es einfach finden, direkt nach Privatsphäre zu Hause zu fragen, im Mittelfeld; Österreich (66 Prozent) und Serbien (62 Prozent) sind die Spitzenreiter. Die Schlusslichter sind Japan (40 Prozent), Ägypten sowie die Vereinigten Arabischen Emirate (je 41 Prozent). Generell ist es ist wichtig, über dieses Thema zu sprechen – wenn Menschen das Gefühl bekommen, nicht nach Privatsphäre fragen zu können, sind sie frustriert (57 Prozent in Deutschland).

Ikea Cb Lahr 2 1 Auch in der digitalen Welt kann man sich zurückziehen – und der Außenwelt signalisieren, dass man ungestört sein möchte.

Verbale vs. non-verbale Kommunikation

Wenn Menschen sich nicht trauen, den Wunsch nach Privatsphäre zu äußern, benutzen sie andere, nonverbale Signale. Das kann durch Körpersprache, Dinge oder andere Aktivitäten passieren. Die häufigsten Kommunikationswege in deutschen Haushalten sind dabei: in ein bestimmtes Zimmer gehen (29 Prozent), sich mit sich selbst beschäftigen (21 Prozent) oder auch nach draußen gehen (20 Prozent). In den meisten Ländern benutzen mehr Menschen non-verbale Kommunikationswege, um nach Privatsphäre zu fragen. In Deutschland ist es mit jeweils 22 Prozent (die ausschließlich verbale oder non-verbale Kommunikation nutzen) ausgeglichen.

Dabei sind manche Signale effektiver als andere: Das Thema direkt anzusprechen ist mit 83 Prozent (offensichtlich) am zielführendsten und wird in Deutschland auch am häufigsten genutzt – dicht gefolgt von nach draußen gehen (Terrasse, Balkon, Garten, jeweils 76 Prozent), in ein anderes Zimmer verschwinden oder sich mit seinen technischen Geräten beschäftigen (je 75 Prozent). Auch ich schaue gerne direkt auf mein Smartphone, wenn ich keine Lust habe, mit anderen zu sprechen oder einfach kurz für mich sein möchte.

Ikea Cb Lahr 2 3 Privatsphäre hilft auch den zwischenmenschlichen Beziehungen – das bestätigen über die Hälfte aller Befragten in Deutschland.

Je nachdem, welche Art von Privatsphäre wir uns wünschen, können auch die Signale variieren: Um sich physisch abzugrenzen, werden Türen geschlossen oder Vorhänge zugezogen. Um Raum für sich selbst zu schaffen, wird die Lieblingssendung geschaut, gespielt oder gemütlich ein Kaffee getrunken. Um eine mentale Abgrenzung zu ermöglichen, werden Kopfhörer aufgesetzt, Musik gehört oder Videos geschaut – so können wir uns mit anderen in einem Raum befinden, aber trotzdem für uns sein.

Zeit für sich selbst und andere

65 Prozent der in Deutschland befragten Teilnehmer sagen, dass Privatsphäre wichtig ist, um Zeit und Raum für Aktivitäten zu schaffen, die eine persönliche Weiterentwicklung ermöglichen. Und Zeit alleine zu verbringen kann auch zwischenmenschliche Verhältnisse verbessern: 54 Prozent der Deutschen glauben, dass Privatsphäre wichtig ist, um Beziehungen zu stärken. Je besser die Beziehungen zu unseren Mitmenschen, desto besser verstehen wir uns und unsere Bedürfnisse. Das hilft nicht nur unseren Beziehungen, sondern auch dem Gefühl „dazuzugehören“: 93 Prozent derjenigen, die dieses Gefühl haben, können auch ihre Privatsphäre zu Hause am besten erleben. Vielleicht frage ich meinen Partner morgen einfach mal, wann und wo er gerne mehr Zeit für sich hätte – es einfach anzusprechen soll bekanntlich helfen.