Mobilitätsforum für eine lebenswerte City

Nachhaltige Mobilität – was können Politik, Unternehmen und jeder einzelne tun (v. l.): Christiane Scharnagl (IKEA), Daniel Rieger (NABU), Ascan Egerer (Verkehrsbetriebe Karlsruhe), Winfried Hermann (Verkehrsminister Baden-Württemberg), Prof. Anke Karmann-Woessner (Leiterin Stadtplanungsamt), Moderatorin Tina Teucher, Dr. Martin Kagerbauer (KIT), Johannes Ferber (IKEA).



Rad, Bus oder Auto? Kaum etwas anderes prägt unser Leben und die Lebensqualität in den Städten so sehr wie die Art und Weise, wie wir uns fortbewegen. Selbst bin ich meist „bequeme“ Autofahrerin, bevorzuge aber bei weiteren Strecken die Bahn und versuche, Flugreisen zu meiden. Aufs Rad steige ich zu selten – mein Wohnort Wiesbaden wurde einst zur „fahrradfeindlichsten Stadt Deutschlands“ gekürt. Das Gegenteil dazu ist Karlsruhe: Die Fächerstadt löste jüngst Münster als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands ab.

Hier mittendrin an der Durlacher Allee, dem Einfahrtstor der Stadt, eröffnet IKEA im nächsten Sommer sein 54. Einrichtungshaus. „Es gibt keinen zweiten Standort von uns in Deutschland, wo die Haltestelle so dicht am Eingang des Einrichtungshauses platziert ist“, sagt Property Manager Johannes Ferber. Mit einem einzigartigen Mobilitätskonzept möchte IKEA möglichst viele Besucher und Kunden überzeugen, das Auto stehen zu lassen, wenn sie zu IKEA kommen. Um die allgemeine Debatte anzustoßen, aber auch, um Impulse für das eigene Mobilitätskonzept mitzunehmen, hat IKEA Beteiligte aus Politik und Zivilgesellschaft eingeladen, über das Thema „Nachhaltige Mobilität – für eine lebenswerte Innenstadt: Was können Politik, Unternehmen und jeder einzelne tun?“ zu diskutieren.

Ikea Cb Mobilitaetsforum 4 „Wir brauchen eine Verkehrswende“: Winfried Hermann, baden-württembergischer Verkehrsminister.

„Wir brauchen mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer“

„Es ist höchste Zeit, dass sich Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit engagieren“, sagte Winfried Hermann, Verkehrsminister in Baden-Württemberg, der die Initiative von IKEA sehr begrüßt. Klar sei: „Unser Verkehrssystem funktioniert nicht – das zeigen Lärm, Stress und fehlende Sicherheit. Unsere Städte sind dominiert vom Verkehr.“ Gefordert sei ein neues Leitbild, mit ressourcenfreundlichen und bezahlbaren Alternativen – „das eine Verkehrsmittel“ werde es dabei sicher nicht geben. „Wir brauchen eine Verkehrswende“, forderte der Minister. „Dafür müssen wir uns von klassischen Mustern trennen.“

Ikea Cb Mobilitaetsforum 5 Ideen gefragt: An „Leave a message“-Wänden konnten alle Gäste eine Botschaft an IKEA hinterlassen, wie das Unternehmen das Thema Mobilität in Karlsruhe noch nachhaltiger gestalten kann.

Die grün-schwarze Landesregierung möchte bis 2030 die Verkehrsemissionen deutlich senken, weniger Autos in den Städten und mehr klimaneutrale Fahrzeuge. „Es geht auch darum, den Platz neu zu verteilen: Wir brauchen mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer“, so der Verkehrsminister. „Es gibt viele Ideen und Konzepte. Wir brauchen ein breites Bündnis.“

In der offenen Paneldiskussion beteiligten sich auch Bürger. Einer schlug „eine einzige Fahrkarte“ vor, um den ÖPNV deutlich zu vereinfachen. Für andere waren „Superblocks“ ein überzeugendes Konzept, autofreie Viertel, „die den Menschen gehören“.

Ikea Cb Mobilitaetsforum 3 „Wir brauchen Viertel ohne Autoreihen und Verkehrslärm“: Daniel Rieger, Verkehrsreferent, Naturschutzbund Deutschland

Mehr Grün und autofreie Innenstädte

Für autofreie Innenstädte macht sich auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) stark. „Wir brauchen mehr Grünflächen und Viertel ohne Autoreihen und Verkehrslärm“, so Verkehrsreferent Daniel Rieger, der auch Chancen in der Digitalisierung sieht: „Das ermöglicht multimodulare Lösungen.“

Digitalisierung als einen wichtigen Treiber sieht auch Dr. Martin Kagerbauer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). So sind Echtzeitinfos über alle Mobilitätswege möglich.

Ikea Cb Mobilitaetsforum 2 Umdenken gefordert: Prof. Anke Karmann-Woessner, Leiterin des Stadtplanungsamts

„Es fordert ein Umdenken“, sagt Prof. Anke Karmann-Woessner, die das Stadtplanungsamt in Karlsruhe leitet. „Wir arbeiten an einem Karlsruher Modell, gemeinsam mit der Hochschule in Offenburg. IKEA ist einer unserer Praxispartner.“

So denkt IKEA in Karlsruhe über eine Lieferung mit der Straßenbahn nach. Das Lieferkonzept wird aus bewährten Serviceangeboten und neuen Modellen bestehen. Dazu gehören beispielsweise Möbeltaxen, Fahrradkuriere und Transportfahrräder. IKEA plant in Karlsruhe über 300 Fahrradstellplätze. Auch für andere Projekte wie neue Store-Formate in Berlin sind innovative Lösungen gefragt. „Wie können wir Micro-Hubs schaffen und von dort aus ausliefern?“ – diese Frage stellt sich das Unternehmen, so Christiane Scharnagl, Sustainability Managerin. „Es gibt viele Möglichkeiten und nicht die eine ,one fits all‘ Lösung.“