Nachts aufwachen? Ganz normal!

Wenn man nachts wach wird, sollte man am besten einfach liegen bleiben und kein Licht anmachen.

Für mich vergeht kaum eine Nacht, in der ich nicht kurz wach bin: dann habe ich Durst, muss auf die Toilette oder schaue auf die Uhr. Früher habe ich mich oft geärgert – wieso kann ich nicht einfach durchschlafen? Heute weiß ich, dass unser Schlaf aus mehreren Phasen besteht und es ganz normal ist, nachts aufzuwachen. Man darf sich davon nur nicht stressen lassen – deshalb ist es umso wichtiger, das Bewusstsein für die Schlafphasen zu wecken. Unser Schlaf-Experte Dr. Guy Meadows erklärt, was es damit auf sich hat.

Ikea Schlafphasen Aufwachen 4 Dr. Guy Meadows ist Schlafforscher und Gründer der „Sleep School“.

Die Hälfte der Deutschen schläft nachts nicht durch. Das ist normal, denn jede Schlafphase dauert etwa anderthalb Stunden. Danach wacht man kurz auf – meist unbewusst – bevor man in die nächste Schlafphase eintaucht. Dieses Aufwachen war für unsere Vorfahren möglicherweise wichtig, um Gefahren auch nachts rechtzeitig zu bemerken, nach dem Feuer oder den Kindern zu schauen. Auch heute reagieren wir ähnlich: Wer mit beunruhigenden Gedanken oder Stress ins Bett geht, signalisiert dem Körper Gefahr. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man dadurch nachts grübelnd wach liegt.

Doch was passiert eigentlich, wenn wir schlafen?

Bei schlafenden Menschen lassen sich die Gehirnströme in zwei Kategorien einteilen: „Rapid Eye Movement“ (REM) – schnelle Augenbewegung – und „Non Rapid Eye Movement“ (NREM) – ohne schnelle Augenbewegung. NREM wird in leichten und tiefen Schlaf unterteilt. Beim Einschlafen befinden wir uns in der Phase des leichten Schlafs: die Atmung wird langsamer, der Körper entspannt sich und das Gehirn beginnt, den Tag zu verarbeiten. Was viele nicht wissen: Tatsächlich verbringen wir rund 50 Prozent der Nacht im leichten Schlaf, der immer wieder eintritt, wenn wir in eine andere Schlafphase wechseln.

Ikea Schlafphasen Aufwachen 2 Nachts aufzuwachen ist ganz normal – wichtig ist nur, dass wir schnell wieder einschlafen.

Der Tiefschlaf ist die Phase, in der der Körper am meisten regeneriert – jetzt sind wir am weitesten von der Außenwelt entfernt. Deshalb fühlen wir uns meist ziemlich gerädert, wenn wir in dieser Phase geweckt werden. Da kann man fast sagen, dass er „zum Glück“, nur 20 Prozent unseres Schlafs ausmacht.

Die REM-Phase dient der psychischen Wiederherstellung und geschieht zum größten Teil am Ende des Schlafs in den frühen Morgenstunden. Wenn der Tiefschlaf hauptsächlich für die körperliche Wiederherstellung verantwortlich ist, dann ist der REM der Zeitraum, in dem das Gedächtnis die geistige Wiederherstellung leistet. So werden neue Erinnerungen zum Langzeit-Speicher hinzugefügt. Aus diesem Grund sollte man beispielsweise vor einer Prüfung nicht durchmachen, da das Gehirn so keine Chance bekommt, das eben noch Gelernte auch zu speichern. Die REM-Phase regelt auch unsere Stimmung, indem sie Emotionen entschärft und uns hilft, zufrieden aufzuwachen. Träume treten ebenfalls während dieser Phase auf – deshalb erinnern wir uns meist nach dem Aufwachen an sie.

Ikea Schlafphasen Aufwachen 6 Zwischen den einzelnen Schlaf-Zyklen wachen wir auf – vielleicht ein Relikt unserer Vorfahren.

Eine noch spannendere Tatsache ist, dass wir währenddessen wie paralysiert sind, möglicherweise um uns daran zu hindern, unsere Träume auszuleben und uns dabei im Schlafzimmer zu verletzen. Jeder Schlafzyklus dauert anderthalb bis zwei Stunden – so kommen wir auf vier bis fünf Zyklen pro Nacht. Erst das Zusammenspiel von wiederholten Schlafphasen und -zyklen versetzt dich im Laufe der Zeit in die Lage, von deinem Schlaf zu profitieren und zufrieden wieder aufzuwachen.

Was tun, wenn man wirklich nicht mehr einschlafen kann?

Unser Schlaf-Experte Dr. Guy Meadows rät: Wenn man nachts aufwacht und doch länger nicht einschlafen kann, einfach ruhig liegen blieben und das Licht auslassen (auch kein Smartphone in die Hand nehmen). Dein Körper kann sich dann ausruhen und du wirst auch ganz von allein wieder müde. Wenn du dir viele Gedanken machst und dich etwas sehr beschäftigt, kannst du es mit Achtsamkeitsübungen versuchen – oft fallen dir aber auch von alleine die Lider wieder zu, solange du nicht richtig wach wirst.