Warum setzt IKEA auf die UTZ-Zertifizierung?

Sich mit der Herkunft und der Produktionsweise von Nahrungsmitteln zu beschäftigen, ist heute für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit – sozusagen Teil des eigenen Lebensstils. Aspekte wie Nachhaltigkeit, Gesundheit und eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung rücken für Verbraucher und Unternehmen immer stärker in den Fokus. IKEA Food verfolgt schon seit vielen Jahren das Ziel, den vielen Kunden in den IKEA Bistros, Restaurants und Schwedenshops gesündere und nachhaltiger produzierte Lebensmittel anzubieten. So ist der Kaffee von IKEA bereits seit 2008 UTZ-zertifiziert und wurde im Jahr 2016 durch das Bio-Siegel ergänzt.

Gerade im Hinblick auf die UTZ-Zertifizierung werden immer wieder auch kritische Stimmen laut, die die Frage aufwerfen, inwiefern Verbraucher und Kunden auf dieses Siegel vertrauen können. Weshalb sich IKEA für das UTZ-Zertifikat entschieden hat, was hinter der Zertifizierung steht und worin dessen Stärken und Schwachstellen liegen, haben uns Vera Mertes Banchereau und Azaliah Mapombere von IKEA Food Services in Malmö, Schweden, im Interview erzählt.

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KS: Es gibt viele Nachhaltigkeitssiegel, die fairen Handel und verantwortungsvolle Anbau- und Beschaffungspraktiken versprechen. Weshalb hat sich IKEA gerade für UTZ- und Bio-Kaffee entschieden? Ist der gesamte Kaffee bei IKEA UTZ- und bio-zertifiziert?

VMB: Die Beschaffung von UTZ-zertifiziertem und biologischem Kaffee ist Teil unserer Bemühungen, sicherzustellen, dass kritische Rohstoffe wie Kaffee aus verantwortungsvollen und nachhaltigeren Quellen stammen. In unseren Schwedenshops haben wir 2016 weltweit die IKEA PÅTÅR-Kaffeeserie eingeführt, die sowohl UTZ- als auch Bio-zertifiziert ist. Durch die Wahl der Kombination beider Zertifizierungen für den IKEA Kaffee berücksichtigen wir sowohl den Menschen hinter unseren Produkten als auch den Planeten.

In den meisten IKEA Märkten, z.B. bei IKEA in Deutschland, ist der Kaffee in unseren Bistros und Restaurants ebenfalls UTZ-zertifiziert und biologisch. Einige wenige Märkte stehen vor Herausforderungen, z.B. aufgrund gesetzlicher Beschränkungen, und können daher noch keinen Bio-Kaffee verkaufen. In einigen IKEA Märkten gibt es noch lokale Kaffeeprodukte, die momentan nicht beide Zertifizierungen besitzen. Wir arbeiten daran, Lösungen für diese Ausnahmen zu finden.

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KS: Aus welchen Ländern stammen die Bohnen für den IKEA Kaffee? Haben Kunden eine direkte Möglichkeit, deren Ursprung nachzuvollziehen?

VMB: Die Bohnen für unsere Kaffeesorte PÅTÅR werden hauptsächlich aus Mittel- und Südamerika, z.B. aus Ländern wie Peru und Honduras sowie aus Ostafrika, z.B. Uganda, bezogen. Die Herkunftsländer können aber im Laufe der Zeit aufgrund von Saisonalität und Verfügbarkeit variieren.

Für uns bei IKEA Food spielt die Rückverfolgbarkeit unseres Kaffees eine wichtige Rolle und wir wissen, dass viele unserer Kunden auf diese Transparenz großen Wert legen. Die UTZ-Zertifizierung ermöglicht es den Kunden, die Herkunft ihres IKEA Kaffees mit dem Online-Tracer über www.utzcertified.org/ikea/ zu überprüfen.

Ikea Cb Azaliah Azaliah Mapombere von IKEA Food Services in Malmö, Schweden

KS: Bei Verbrauchern herrscht oft Unklarheit darüber, welche Prinzipien und Instanzen hinter dem UTZ-Siegel stehen. Wie funktioniert UTZ und wer bewertet die zertifizierten Betriebe?

AM: Alle UTZ-zertifizierten Erzeugnisse, wie Kaffee, Tee oder Kakao, werden nach dem UTZ-Standard hergestellt, der sich an den Prinzipien der Fairness und der Transparenz orientiert. Der Standard folgt zwei Richtlinien – dem UTZ-Verhaltenskodex, der den Anbau- und den Ernteprozess umfasst, und der UTZ-Kontrollkette, die den Weg der Produkte vom Verlassen des Betriebs bis hin zu deren Ankunft in den Regalen der Verkäufer umfasst. Weitere Informationen über die Prinzipien des UTZ und seine beiden Richtlinien findet man direkt auf der Website des UTZ.

UTZ delegiert die Prüfungen und Kontrollen an zugelassene Zertifizierungsstellen. Diese sind für die Durchführung unabhängiger Audits zur Zertifizierung von Unternehmen und Landwirten nach dem UTZ-Standard verantwortlich.

Ikea Uganda Header Azaliah Mapombere mit einigen weiteren Kollegen aus Schweden bei ihrem Besuch des White Nile Projekts in Uganda

KS: Wie stellt ihr bei IKEA Food sicher, dass die UTZ-Standards auch auf Betriebsebene eingehalten werden?

AM: Als Einzelhändler haben wir keine direkte Kontrolle über Kaffeefarmen - aber was wir kontrollieren können ist, mit wem wir zusammenarbeiten. Wir haben unsere Lieferanten sorgfältig und auf der Grundlage gemeinsamer Werte ausgewählt und stehen kontinuierlich in einem aktiven Dialog mit UTZ, da wir überzeugt sind, dass Fortschritte nur durch Engagement und Zusammenarbeit erzielt werden können.

Unsere Lieferanten teilen unsere Werte und die Vision, zu einer nachhaltigeren Zukunft für Kaffee beizutragen. Gemeinsam engagieren wir uns in der Lieferkette, um eine positive Wirkung unserer Geschäftstätigkeiten auf die Menschen und unsere Erde zu erreichen. Ein konkretes Beispiel ist unser Engagement für eine Social-Business-Initiative in der Region des Weißen Nils in Uganda. Die Initiative arbeitet eng mit lokalen Kaffeebauern und Gemeinden zusammen, um die Anbaumethoden, die Betriebsführung und den Lebensunterhalt der Familien zu verbessern.

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KS: Kritiker bemängeln, dass UTZ im Vergleich zu dem Fair Trade Siegel weniger Vorteile für die Farmer und deren Familien, beispielsweise durch konkrete Arbeitsbedingungen, vorsieht. Welche konkreten Vorteile haben die Farmer? Verdienen sie durch die Zertifizierung mehr?

AM: Das Label setzt Standards für Kaffeeproduzenten, um bessere Anbaumethoden, den Schutz der Umwelt und eine bessere Betriebsführung zu erreichen. Gerade Kleinbauern in kaffeeproduzierenden Ländern wie Honduras oder Peru unterstützen wir hier auf verantwortungsvolle Weise, indem wir sie in die Lage versetzen, zu wachsen, um ihre Lebensgrundlage zu verbessern und den Arbeitnehmern und ihren Familien ein gutes, gesundes und nachhaltiges Leben zu ermöglichen. Die Teilnahme von Landwirten am UTZ-Programm führt für sie in der Regel zu höheren Erträgen bei besserer Qualität. Gemeinsam mit der Bio-Zertifizierung der Betriebe können die Landwirte dann auch höhere Gewinne für ihre Ernte erzielen. Auf diese Weise unterstützt UTZ, und speziell auch die Kombination von UTZ- und Bio-Zertifizierung, eine nachhaltige und auf den langfristigen Nutzen für die Landwirte ausgerichtete Rentabilität.

UTZ ist grundsätzlich ein marktorientiertes Modell – die Preise sind also abhängig von der Produktqualität und der auf dem Markt verfügbaren Menge. Bedeutet also, dass Landwirte, deren Betriebe UTZ-zertifiziert sind, einen besseren Preis für ihre Kaffeebohnen auf dem Markt aushandeln können. Darüber hinaus sieht UTZ vor, dass Käufer eine Prämie in Form eines Barbetrags zahlen, die auf den Marktpreis des zertifizierten Produktes aufgeschlagen wird.

Ikea Cb Vera Vera Mertes Banchereau von IKEA Food Services in Malmö, Schweden

KS: Eine spannende Frage, die auch in den sozialen Medien immer wieder auftaucht: Weshalb arbeitet IKEA mit dem UTZ-Label und keiner anderen Zertifizierung, wie zum Beispiel Fair Trade?

VMB: Wir sind davon überzeugt, dass alle Zertifizierungssysteme, die nachhaltige Anbaumethoden unterstützen und eine vollständige Rückverfolgbarkeit bieten, eine wichtige Rolle in der globalen Lieferkette von Kaffee spielen.

IKEA Food hat sich 2008 für die Beschaffung von UTZ-zertifiziertem Kaffee entschieden, da der Standard gute Umweltpraktiken kombiniert mit guten Arbeitspraktiken enthält - die beide wiederum gut zu dem IKEA Verhaltenskodex IWAY passen. Wir bei IKEA Food möchten nachhaltig und verantwortungsbewusst wirtschaften und können unter anderem mittels der UTZ-Zertifizierung sicherstellen, dass sowohl der Mensch hinter unseren Produkten als auch unser Planet gleichermaßen berücksichtigt und mit Sorgfalt behandelt werden. Darüber hinaus bietet der UTZ-Online-Tracer Transparenz und einen Mehrwert für die Kunden.

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KS: Worin seht ihr selbst Mankos hinsichtlich der Standards des UTZ? An welchen Stellen seht ihr Entwicklungsbedarf?

VMB: Aus unserer Sicht ist der UTZ-Standard schon heute gut. Bei IKEA haben wir uns entschieden, die Bio-Zertifizierung hinzuzufügen, da diese in unseren Augen eine großartige Ergänzung zu UTZ darstellt. Kombiniert sorgen die beiden Standards für eine ausgewogene Berücksichtigung von Mensch und Umwelt. Ein konkretes Beispiel: Gemäß der UTZ-Normen darf eine Reihe zugelassener Pestizide von den Landwirten verwendet werden. Die Anforderungen der EU-Biozertifizierung erlauben hingegen keinen Einsatz von Chemikalien und Pestiziden. Dadurch, dass der IKEA Kaffee sowohl UTZ als auch Bio-zertifiziert ist, erfüllen die Kaffeebauern für die IKEA Erzeugnisse die Normen beider Labels.

In unseren Augen unterstützen Zertifizierungssysteme von Drittanbietern, wie UTZ, positive Entwicklungen in der Lebensmittelindustrie und sorgen für mehr Transparenz in den Lieferketten. Nichtsdestotrotz sind wir uns bewusst, dass die Zertifizierungssysteme aktuell noch nicht perfekt sind – auch sie unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung. Dementsprechend begrüßen wir alle Fortschritte, die im Einklang mit unseren Ambitionen stehen, Lebensmittel auf verantwortungsbewusste und nachhaltigere Weise zu beziehen.

KS: Vielen Dank euch beiden!