Alfred Nobel – vom Menschenfeind zur Leuchtfigur

Alfred Nobel kam in Stockholm zur Welt, verließ seine Heimat jedoch bereits früh.

Von Schweden in die ganze Welt: Das Heimatland von IKEA hat eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten hervorgebracht, die das Leben vieler Menschen besser, bunter und einfach schöner machen. Ob Künstler, Unternehmer oder Schriftsteller, in loser Reihenfolge haben wir dir in diesem Jahr einige dieser faszinierenden Menschen vorgestellt. Anlässlich der aktuellen Verleihung des Nobelpreises werfen wir heute einen Blick auf das Leben des schwedischen Genies Alfred Nobel und stellen wissenswerte Fakten rund um die begehrte Auszeichnung vor.

Sein Ruf war umstritten, dennoch verklingt der Name Alfred Nobels bis heute – 124 Jahre nach seinem Tod – nicht. Der Wissenschaftler gilt unter anderem als Erfinder des Dynamits und genau das ist womöglich der Grund dafür, dass Nobel bis heute in aller Munde ist. Dabei ist es nicht die Verwendung des Sprengstoffs als solche, die die Erinnerung an den gebürtigen Schweden am Leben hält, vielmehr formte der explosive Stoff in vielen Bereichen seinen Lebensweg, doch alles der Reihe nach.

Ikea Alfred Nobel 3 Der Wissenschaftler und Erfinder Alfred Nobel wurde 63 Jahre alt. © Gösta Florman (1831–1900) / The Royal Library, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Kindheit von Alfred Nobel

Alfred Nobel kommt am 21. Oktober 1833 in Stockholm als dritter von vier Söhnen zur Welt. Mutter Andriette und Vater Immanuel Nobel sind wohlhabend, denn Letzterer ist zu dem Zeitpunkt bereits ein erfolgreicher Ingenieur und Industrieller. Einen Teil seiner Kindheit und Jugend verbringt Alfred Nobel mit seiner Familie aufgrund der Tätigkeit seines Vaters in Sankt Petersburg, wo er eine erstklassige Ausbildung durch Privatlehrer genießt. Als er 17 Jahre alt ist, schickt ihn sein Vater auf große Bildungsreise – er lebt in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten, bevor er wieder in sein Heimatland Schweden zurückkehrt.

Die Wissenschaft fasziniert Nobel von jungen Jahren an, auf seinen Reisen begegnet er in Paris Ascanio Sobrero, dem Entdecker des Nitroglyzerins. Nobel greift die Forschung an dem hochexplosiven Stoff auf. Sein Ziel ist es, die Zündung von Nitroglyzerin sicher zu machen. Bevor ihm das durch einen Zufall gelingt, ziehen seine Experimente zahlreiche schwere Unfälle nach sich. Bei einem davon fliegt sein komplettes Labor in die Luft, dabei kommt sein jüngerer Bruder ums Leben. Schließlich gelingt ihm der Durchbruch.

Nobels Durchbruch: Erfindung von Dynamit

Er baut 90 Dynamit-Fabriken auf der ganzen Welt – eine der ersten bei Hamburg in Deutschland. Finanziell hat der Wissenschaftler damit endgültig ausgesorgt. Seine Erfindung wird in der Industrie und insbesondere beim Bergbau eingesetzt. Zeitnah nach der Erfindung kommt Dynamit etwa beim Bau des Panama-Kanals zum Einsatz. Einen bedeutenden Teil seines Lebens widmet er weiterer Erforschung verschiedener Sprengstoffe. 1887 erfindet er ein rauchschwaches Pulver, lässt es patentieren und bietet seine Entdeckung der französischen Regierung zum Kauf an. Sein Angebot wird ausgeschlagen, man habe Aussicht auf ein noch besseres Produkt, so die Begründung.

In der französischen Presse wird Alfred Nobel der Spionage beschuldigt und kurz darauf verhaftet. Zudem wird ihm die Erlaubnis entzogen, weitere Experimente durchzuführen. Wieder auf freiem Fuß, bietet er seine Erfindung den Italienern an. Diese sind sofort von seinem Angebot überzeugt und kaufen sein rauchschwaches Pulver „Ballistit“. Der Stoff revolutioniert schließlich die gesamte Schusstechnik. 1891 zieht Nobel selbst ins italienische Sanremo, wo er in einer Villa bis zum Ende seines Lebens residiert.

Ikea Alfred Nobel Header Stockholm 3 Das Nobelmuseum in Stockholm informiert über Alfred Nobel und den Nobelpreis.


Alfred Nobel, „das verfluchte Genie der Zerstörung“

Der Sprengstoff – eine von Nobels wichtigsten Erfindungen – wird nicht ausschließlich für gute Zwecke eingesetzt, das prägt auch seinen Ruf in der Gesellschaft. Sich selbst soll Alfred Nobel als Misanthrop, also Menschenfeind, bezeichnet haben. Wie würde man den großen Erfinder also nach seinem Tod in Erinnerung behalten? Die Antwort auf diese Frage bekommt Nobel rein zufällig durch eine unglückliche Verwechslung noch zu Lebzeiten. Nach dem Tod seines Bruders Ludvig druckt eine französische Zeitung irrtümlicherweise einen Nachruf auf den Namen Alfred Nobel. Weitere Publikationen greifen die Nachricht auf. Die Überschriften lauten etwa: „Der Kaufmann des Todes ist tot“, ebenso wird er in der Presse als „Der Feind der Menschheit“ und „Das verfluchte Genie der Zerstörung“ bezeichnet – Titel, die den Forscher zum Nachdenken anregen und in eine Gewissenskrise stürzen.

Zu diesem Thema tauscht er sich intensiv mit der Schriftstellerin, Friedensaktivistin und seiner einzigen Freundin Bertha von Suttner aus, deren Engagement er stets bewundert und die ihm damals selbst häufig mit Kritik begegnet. Aus dieser freundschaftlichen Verbindung erwächst schließlich die Idee zur Stiftung des Friedensnobelpreises: Nobel hat keine Nachkommen und so überlässt er nahezu sein komplettes Vermögen zur Gründung jener Stiftung, die jährlich herausragende Personen auszeichnen soll – ohne Berücksichtigung ihrer Herkunft und Nationalität. Am 10. Dezember 1896 stirbt der Chemiker und Erfinder im Alter von 63 Jahren an einer Hirnblutung in Sanremo. 1905 wird übrigens seine Freundin Bertha von Suttner mit diesem Preis ausgezeichnet.

Ikea Alfred Nobel 2 Neben einer Geldsumme und Urkunde bekommen die Preisträger eine goldene Medaille. © ESM, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Kategorien des Friedensnobelpreises bilden Nobels eigene Interessensbereiche ab

Seit 1901 wird der Nobelpreis in fünf Kategorien verliehen: Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden. Zu Zeiten seines Lebens interessierte sich Nobel stark für jeden dieser Bereiche. 1968 kam eine sechste Kategorie dazu – jene der Wirtschaftswissenschaften. Dabei gibt es hin und wieder einige Besonderheiten: Werden etwa mehrere Personen ausgezeichnet, wird der Preis geteilt. Wird kein passender Anwärter gefunden, so wird der Preis in diesem Jahr nicht vergeben. Neben Einzelpersonen, deren herausragende Leistungen gewürdigt werden, kann der Nobelpreis auch an Institutionen verliehen werden.

Wer nominiert wird, entscheidet ein ausgewählter Kreis an Personen, darunter Professoren, Wissenschaftler und etwa Lehrkräfte von ausgewählten Universitäten, aber ebenso Mitglieder eines nationalen Parlaments oder einer Regierung sowie eines internationalen Gerichts. Auch jeder frühere Preisträger darf in seiner Kategorie weitere Kandidaten vorschlagen. Danach entscheidet ein für jeden Bereich gesondertes Komitee, wer den Preis bekommt. Verliehen wird die Auszeichnung jährlich am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel.

Ikea Alfred Nobel 1 Marie Curie war die erste weibliche Preisträgerin des Friedensnobelpreises. © Marie_Curie_(Nobel-Chem) / Fotograv. - Generalstabens Litografiska Anstalt Stockholm, Public domain, via Wikimedia Commons

Marie Curie ist die erste weibliche Preisträgerin

Der erste Nobelpreis der Geschichte ging 1901 an Henri Dunant, Humanist und Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Im selben Jahr erhielt Wilhelm Conrad Röntgen den ersten Preis für Physik. 1903 wurde als erste Frau die Physikerin und Chemikerin Marie Curie mit dem Preis für Chemie ausgezeichnet. 1911 erhielt sie ihre zweite Auszeichnung im Bereich Physik. Alexander Fleming, der Entdecker des Penicillins, wurde mit dem Medizinnobelpreis geehrt, um nur einige Persönlichkeiten aufzulisten, die unser Leben nachhaltig bis heute geprägt haben.

Doch es sind nicht nur Ruhm und Ehre, die den Preis so attraktiv machen. Neben einer Urkunde und einer Goldmedaille beinhaltet die Auszeichnung eine Geldsumme in Höhe von derzeit etwa 830.000 Euro (neun Millionen schwedische Kronen) je Kategorie – ausgezeichnet werden Menschen stets zu Lebzeiten. Somit zieht das Erbe des Erfinders Nobel, der insgesamt 355 Patente anmeldete, bis heute seine Kreise in der Geschichte der Menschheit.






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