Alle unter einer Decke – das Familienbett

Es gibt wohl kaum Eltern, die diese Situation nicht kennen: Mitten in der Nacht hört man Trippelschritte, die Tür zum Schlafzimmer öffnet sich und kurze Zeit später wird es eng im Ehebett. In der Mitte zwischen Mama und Papa macht sich ein kleiner Besucher breit, wärmt seine kalten Füße an Papas Waden, schläft kurze Zeit später zufrieden schnarchend und boxt Mama in regelmäßigen Abständen unbewusst in den Rücken. Im Klartext: Während der kleine Besucher die Geborgenheit zwischen Mama und Papa genießt und tiefer denn je schläft, leiden die beiden Erwachsenen an der Außenlinie wegen schwieriger Rahmenbedingungen unter Schlafentzug. Jetzt gibt es zwei Optionen: die Situation akzeptieren oder den kleinen Besucher zurück ins eigene Bett verfrachten – mit dem Ergebnis, dass wahrscheinlich Tränen fließen und sich der beschriebene Vorgang mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Stunde später wiederholt.

Ikea Familienbett 01 Kinder im Bett führen oft zu schlaflosen Nächten.

Zusammen oder getrennt?

Die Frage, ob und wenn ja wie lange Kinder mit ins Elternbett dürfen, wird unter Eltern und Fachleuten lebhaft diskutiert. Während die einen für eine klare Trennung der Schlafzimmer sind, tolerieren andere den nächtlichen Besuch unter Hinweis darauf, dass das ja „nur eine Phase“ sein kann – schließlich hat man selten von Abiturienten gehört, die freiwillig bei Mama und Papa schlafen.

Ich gestehe, ich habe immer zur ersten Fraktion gehört: Nach einem anstrengenden Tag mit Job und Kindern hatte ungestörte Nachtruhe für mich oberste Priorität, und das hieß: Mein Bett gehört mir! Auch wenn diese Rechnung nicht immer aufging, wie das Beispiel oben erahnen lässt…

Meine rigorose Haltung resultierte aber auch aus der Tatsache, dass unser 1,60 Meter breites Bett schon für zwei Erwachsene nicht gerade üppig bemessen ist. Dies dann auch noch mit ein oder gar zwei Kindern zu teilen, ist schier unmöglich. Auf die Idee, die Realität zu akzeptieren und die Rahmenbedingungen anzupassen, bin ich nicht gekommen. Dabei wäre eine Familienbett die perfekte Lösung gewesen!

Eine Schlafinsel für drei und mehr

Moment mal – Familienbett? Was soll das denn sein? Der Begriff beschreibt weniger ein konkretes Produkt als vielmehr eine Lösung, die es möglich macht, dass alle Familienmitglieder genug Platz finden und komfortabel schlafen können. Grundvoraussetzung ist natürlich, dass ein ausreichend großer Raum zur Verfügung steht. Wie die Schlafinsel für drei und mehr dann aussehen kann, dazu habe ich mit Sandra Schwertfeger, Interior Designerin bei IKEA Deutschland, gesprochen.

Ikea Familienbett 04 Interior Designerin Sandra Schwertfeger verrät uns die Vorteile der Familienbetten.

Das Familienbett erlebt gerade ein Revival. „Co-Sleeping“ ist ein Trend, der von Schweden nach Deutschland schwappt und immer mehr Eltern über eine Veränderung ihrer Schlafumgebung nachdenken lässt. Was macht deiner Meinung nach die Attraktivität eines Familienbetts aus?

Das Elternsein bringt in den ersten Jahren einen erheblichen Schlafmangel mit sich, das fängt schon in der Schwangerschaft an. Ist das Baby dann auf der Welt, ist es mit Durchschlafen erst mal vorbei. Auch ältere Kinder suchen nachts oft die Nähe der Eltern: Sie gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. In dieser Situation fragen sich viele Eltern, wie sie es schaffen können, den Wunsch ihrer Kinder nach Nähe zu befriedigen und gleichzeitig das eigene Schlafbedürfnis ernst zu nehmen. Denn auch Eltern brauchen ausreichend Schlaf, um den Herausforderungen des Alltags gewachsen zu sein. Das Familienbett ist hier eine sehr gute Lösung: Alle sind nah beieinander und jeder hat genug Platz und Komfort, um gut schlafen zu können.

Wie sieht die ideale Lösung fürs gemeinsame Schlafzimmer deiner Meinung nach aus?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich die unterschiedlichen Bedürfnisse von Eltern und Kindern genauer ansehen: Kinder brauchen eine Schlafstätte, die ihnen Sicherheit gibt und sie zur Ruhe kommen lässt. Haben sie nachts Durst, eine verstopfte Nase oder müssen einmal zur Toilette, ist es wichtig, dass die benötigten Utensilien schnell greifbar sind und der Weg ins Bad gut gefunden wird. Für einen guten Start in den Tag ist es wichtig, ein sanftes Aufwachen, im Idealfall mit Tageslicht, zu ermöglichen.

Ikea Familienbett 03 Für die Kleinen ist das Elternbett ein Rückzugsort gefüllt von Ruhe und Geborgenheit.

Eltern sollten abends leise ins Zimmer schleichen und zum Beispiel noch lesen zu können, ohne die Kinder zu wecken. Außerdem wollen sie trotz den unvermeidlichen Schlafunterbrechungen im Schlafmodus bleiben, um schnell wieder einzuschlafen. Am Morgen ist es ideal, wenn sie ihre Kleidung auswählen und das Schlafzimmer verlassen können, ohne die noch schlafenden Kinder zu wecken.

Das sind recht viele Anforderungen – wie lassen sie sich realisieren?

Das ideale Familienbett ist mehr als nur ein Bett – es ist eine Komplett-Lösung, in der alle Familienmitglieder Platz finden und darüber hinaus noch Aufbewahrungslösungen, Ablageflächen, Beleuchtung und Komfort bietet. Basis sind mehrere Bettgestelle, die nebeneinander gestellt eine beliebig breite Liegefläche ergeben. Darin finden sich unterschiedliche Matratzen, die den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Familienmitglieder entsprechen. Besonders wichtig ist ein cleverer Einsatz von Licht: Es sollte dimmbar sein, denn oft reicht schon diffuses Licht, um zu finden was man sucht. Das gilt auch für den Flur und das Badezimmer: Je gedämpfter das Licht, umso geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die Kleinen vom Toilettengang hellwach zurückkommen. Wichtig sind auch Aufbewahrungslösungen direkt am Bett, damit man nicht immer aufstehen muss, wenn etwas gebraucht wird. Kleiderschrank und Kommoden sollten geräuschlos schließende Türen und Schubladen haben, damit man sie öffnen und schließen kann, ohne seine Zimmergenossen zu wecken.

Ikea Familienbett 02 Zwei Bettgestelle nebeneinander ermöglichen es, sich flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder anpassen zu können.

Auch wenn sich das sehr gemütlich anhört, ist ein Familienbett ja sicher immer nur eine vorübergehende Lösung. Kann man das von Anfang an mit einplanen?

Die Bedürfnisse von Kindern ändern sich schnell. Flexible Einrichtungslösungen helfen Eltern, schnell und unkompliziert auf Veränderungen reagieren zu können. Auch das Familienbett ist eine zeitlich begrenzte Lösung. Da es aus mehreren einzelnen Bettgestellen besteht, können die Kinder ihren Teil des Bettes einfach in ihr eigenes Zimmer ziehen. Zurück bleibt ein großzügiges, 180 Zentimeter breites Bett für die Eltern – und eine ganz neue Art von Freiheit!

Vielen Dank für das Interview!

Heute denke ich, dass ein Familienbett vielleicht dazu beigetragen hätte, dass die Ringe unter meinen Augen am nächsten Morgen nicht ganz so tief gewesen wären. Denn mit dem Schlafen im Elternbett ist es wahrscheinlich wie mit fast allem, was man Kindern verbieten will: man macht es dadurch nur noch interessanter! Und eines kann ich auch bestätigen: Heute fragt niemand mehr, ob der Platz auf der Ritze noch frei ist ;-)