Was denken die Schweden über IKEA?

IKEA ist für uns typisch schwedisch – aber wie denken die Schweden über das Unternehmen?

Laut einer aktuellen Studie von YouGov besitzen 90 Prozent der Schweden mindestens einen IKEA Artikel, womit sie weltweit die absoluten Spitzenreiter sind. Zum Vergleich: In Deutschland haben 64 Prozent der Einwohner Möbel und mehr aus den Kollektionen. Doch warum spielt IKEA in Schweden bei der Einrichtung so eine bedeutende Rolle? Darüber haben wir mit Ninnan Stenmark Åhlén von Visit Sweden gesprochen und nachgefragt, ob ihre Landsmänner und -frauen stolz auf IKEA sind, was eigentlich typisch schwedisch ist und warum vor allem der Schwedenshop ein „Zuhause-Gefühl“ in ihr weckt.

Ikea You Gov Studie 01 1 Ninnan Stenmark Åhlén von Visit Sweden stand uns Rede und Antwort.

Wieso ist IKEA in seinem Heimatland so beliebt?

Ich denke, dass vieles, wofür IKEA steht, als „typisch schwedisch“ gelten kann: Das Bestreben, Dinge immer weiter zu verbessern, immer nach der einfachsten und cleversten Lösung zu suchen, aus begrenzten Ressourcen das Maximale machen – das sind Einstellungen, die in Schweden weit verbreitet sind. Daraus resultiert sicher auch Schwedens Innovationskraft. Schließlich hat Schweden neben IKEA viele weitere sehr innovative Unternehmen hervorgebracht, man denke nur an Spotify oder Klarna.

Die flachen Pakete von IKEA sind ein gutes Beispiel dafür: Sie sind leicht zu transportieren und als IKEA Gründer Ingvar Kamprad die praktischen Pakete erfunden hat, gab es das sonst nirgendwo. Er war vor seiner Zeit – und das ist IKEA noch heute.

Außerdem macht ein Besuch bei IKEA einfach Spaß: von der Glühbirne über Tassen, Bilder und Servietten bis hin zu Grünpflanzen bekommt man alles, womit man das Zuhause mit einfachen Mitteln immer wieder neu gestalten kann.

Ein weiteres großes Thema für die Schweden ist Nachhaltigkeit. Ein bewusster und sorgsamer Umgang mit der Natur gehört quasi zur schwedischen DNA, denn die Menschen haben hier von jeher mit und von der Natur gelebt. Bei IKEA äußert sich das zum Beispiel darin, dass sogar Ausstellungsstücke oder umgetauschte Ware nicht weggeschmissen, sondern aufbereitet und weiterverkauft oder recycelt werden. Nachhaltigkeit steht bei den Schweden und IKEA eben ganz weit oben.

Ikea You Gov Studie 06 Eine schlichte, schwedische Einrichtung – modern und ohne viel „Schnickschnack“.

Wir Deutsche schauen oft anerkennend nach Schweden, wenn es um Stil und Design geht. Warum haben die Schweden so eine ausgeprägte Affinität dazu?

Typisch für das schwedische Design ist, die Anforderungen, die das moderne, das tägliche Leben an uns stellt, immer mit im Blick zu haben. Deshalb ist Funktionalität eine der wichtigsten Anforderungen, die schwedisches Design erfüllen will. Es geht immer darum, das Leben einfacher zu machen und nicht durch unnötige Schnörkel zu überladen. Und schwedische Designer entwerfen weniger für das Luxussegment als für den breiteren Kundenkreis.

Das schwedische Erbe ist im traditionellen und modernen Kunsthandwerk sehr lebendig und dient auch den zeitgenössischen Produkt- und Modedesignern als Inspirationsquelle. Die moderne Interpretation traditioneller Technik, Materialwahl und Formsprache gehört immer mehr zu den wichtigsten Trends des zeitgenössischen, schwedischen Designs.

Wie sieht eine typisch-schwedische Wohnung aus?

Sehr schlicht. Es gibt gerade Linien, die Räume sind sparsam dekoriert, außerdem dominieren Holz und helle Farben. Es ist modern und ohne „Schnickschnack“ – schwedisch eben.

Welche Eigenschaften der schwedischen Kultur erkennst du bei IKEA?

Die schwedische Kultur und der Lebensstil sind allgegenwärtig bei IKEA. Sobald man in der Eingangstür vom Einrichtungshaus steht, sieht man die großflächigen, schönen Bilder aus Schweden, auf den Schildern und im IKEA Family Newsletter wird geduzt. Dass in der Herren-Toilette natürlich auch ein Wickeltisch vorhanden ist, liegt auf der Hand. Im Toilettenbereich gibt es selbstverständlich auch ein Mini-Klo und ein Mini-Waschbecken für die kleinsten Gäste. Gleichberechtigung ist eben ein großes Thema in Schweden – sowohl zwischen den Geschlechtern, als auch zwischen Kindern und Erwachsenen. Im Restaurant gibt es gratis Windeln und eine Mikrowelle, in der Gläschen für Babys aufgewärmt werden können. Alle Kinder erhalten ein Eis gratis. Und wenn man sich ein Getränk kauft, kann man dieses so oft man möchte wieder auffüllen. Dieses Angebot gibt es überall in Schweden, es heißt „påtår“.

Ikea You Gov Studie 04 Wann immer Ninnan ein IKEA Einrichtungshaus entdeckt, muss sie es besuchen – auch wegen der heimischen Leckereien aus dem Schwedenshop.

Sind die Schweden stolz darauf, durch IKEA die eigene Kultur auf der ganzen Welt zu verbreiten?

Grundsätzlich sind die Schweden sehr stolz darauf. In dem Moment aber, wo andere Kritik an IKEA äußern, fühlen sich die Schweden in ihrem Nationalstolz verletzt – da sind wir richtig beleidigt!

Ich selbst bin ein gutes Beispiel dafür, wie stark IKEA für uns Schweden mit Heimat verknüpft ist: Egal, wo auf der Welt ich ein IKEA Einrichtungshaus sehe, muss ich es besuchen. Ich war in Abu Dhabi und wollte unbedingt nachschauen, ob die Sofas auch im Nahen Osten schwedische Städtenamen tragen. Und siehe da: Auch im arabischen Raum gibt es den 3-Sitzer Söderhamn!

Welchen Stellenwert hat IKEA in Schweden?

Einen höheren Stellenwert, als die Schweden zugeben. Man sagt zwar, dass IKEA perfekt für Studenten ist, die die erste eigene Wohnung einrichten wollen. Dabei kauft doch eigentlich jeder regelmäßig bei IKEA ein. Ich war letzten Monat schon wieder bei IKEA und bin mit 55 schon lange keine Studentin mehr.

Besuchst du manchmal ein IKEA Einrichtungshaus für das „Zuhause-Gefühl“?

Auf jeden Fall! Das Schwedische ist natürlich für einen Schweden im Ausland noch wichtiger als für einen Schweden in Schweden. Der Schwedenshop führt schwedische Lebensmittel und bietet Sachen an, die für uns nahezu überlebenswichtig sind: eingelegte Heringe auf die schwedische Art, Kalles Kaviar, schwedisches Bier und Schnaps, Köttbullar mit brauner Sauce, Zimtschnecken, schwedischer Käse… Lecker!

Vielen Dank, liebe Ninnan! Bist du schon im Schweden-Fieber? Hier findest du den ersten Teil von unserem Schwedisch-Sprachkurs!