Ein Gespräch über Nachhaltigkeit bei IKEA

Tanja Dolphin arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei IKEA und ist nun Project Leader for the Leap Year of Sustainability – was das genau bedeutet, erklärt sie uns im Interview.

Nachhaltigkeit ist schon immer ein wichtiges Thema bei IKEA. Doch seit dem Beginn des neuen Geschäftsjahres Anfang September steht es komplett im Fokus – und das „Leap Year of Sustainability“ ist nun offiziell gestartet. Wieso IKEA gerade jetzt einen „Leap“, also einen großen Sprung in Richtung Nachhaltigkeit machen möchte, welche Projekte besonders spannend sind und wie es sich als Deutsche in Schweden lebt, darüber haben wir (natürlich virtuell) mit Tanja Dolphin gesprochen.

Ikea Tanja Dolphin 12 Seit 1988 sammelt Tanja Dolphin stolz ihre IKEA Kataloge.

Liebe Tanja, viele Jahre hast du den IKEA Katalog verantwortet, dein neuer Titel lautet „Project Leader for the Leap Year of Sustainability“ – erzähl uns doch ein bisschen von deiner Arbeit.

Wie der Name schon sagt, hat sich IKEA entschieden, einen deutlichen Sprung zu machen, wenn es um unsere Nachhaltigkeitsstrategie People & Planet Positive geht. Wir haben tolle Pläne und wollen unsere Innovationen und Aktivitäten durch alle Funktionen und Bereiche hindurch beschleunigen, um eine deutlich positive Veränderung zu erzielen. Das ist die Grundlage für ein ganzes Jahrzehnt, in dem wir dem Klimawandel entgegenwirken wollen.

Meine Aufgabe ist es, alle Beteiligten zusammenzubringen, eine klare Agenda zu schaffen und diese dann in den Ländern zu kommunizieren, zu verankern und die Kollegen in den Märkten bei Fragen und der Umsetzung zu unterstützen. Das geht durch alle Abteilungen – wie man in den Einrichtungshäusern schon sehen kann.

Wieso hast du die Position gewechselt und was ist für dich der größte Unterschied?

Ich bin selbst ein großer Fan des IKEA Katalogs und habe seit 1988 alle meine Kataloge aufgehoben (lacht). So war es eine besondere Ehre für mich, selbst an dieser Ikone mitzuarbeiten. Der aktuelle Katalog ist die 70. Ausgabe, ein Jubiläumskatalog, da ist es mir nicht leicht gefallen, die Aufgabe zu wechseln. ;-)

Aber ich habe immer schon eine Leidenschaft für Nachhaltigkeit und wollte in meiner nächsten Aufgabe meine Stärken und alles, was ich in den letzten Jahren gelernt habe, so einsetzten, dass es einen positiven Effekt hat – auf unser Klima und unseren Planeten. Ich habe eine elfjährige Tochter und ich möchte eines Tages sagen können, dass ich mein Bestes getan habe, um einen lebenswerten Planeten für ihre Zukunft zu hinterlassen. Ich kann meine Führungserfahrungen einbringen, alle Beteiligten mit einem gemeinsamen Ziel motivieren und einem komplexen Umfeld Klarheit und Struktur geben.

Ikea Tanja Dolphin 14 Auf dem richtigen Weg: Tanja Dolphin hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Wieso ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Nachhaltigkeit noch mehr in den Fokus zu rücken?

Die Besorgnis um den Klimawandel und das Interesse an nachhaltigem Leben ist global sehr stark gestiegen, aber viele wissen nicht, wie oder wo sie anfangen können. Der Klimawandel ist durch Brände, Dürren und viele weitere Katastrophen global sichtbar und immer mehr Menschen sehen den Zusammenhang zwischen menschlichen Aktivitäten und dem Klimawandel. Es ist ein Thema, das gekommen ist zu bleiben.

Viele Menschen haben durch die Pandemie und vor allem durch die Einschränkungen die Möglichkeit gehabt, über ihren Lebensstil nachzudenken. Wir alle haben unser Verhalten geändert, wenn es ums Arbeiten, Konsumieren und Reisen ging, und dabei vielleicht neue Werte gefunden – die für die Umwelt besser sind, aber auch einem persönlich besser gefallen.

Ikea Tanja Dolphin 3 Die GUNRID Gardine nutzt die Energie des Tageslichts, um die Luft zu reinigen.

Was hat es mit dem „Leap Year“ auf sich und was sind die Ziele eures Teams?

Wir nehmen Anlauf und wollen – im wahrsten Sinne des Wortes – einen großen Sprung schaffen. Aber in den nächsten zehn Jahren auch im gleichen Tempo weitermachen. Ich habe kein Team im klassischen Sinne, sondern arbeite mit Kollegen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen – von Sales über Marketing bis hin zu Digital – das macht die Sache so spannend. Wir treffen uns regelmäßig, um die nächsten Schritte zu besprechen – denn für die kommende Zeit haben wir uns vorgenommen, möglichst viele Menschen dazu zu inspirieren, ein nachhaltigeres Leben zu führen. Dafür kommunizieren wir mit den Ländern, um mit vielen kleinen Schritten etwas Großes zu bewegen. Außerdem möchten wir bei Kunden das Bewusstsein schaffen, dass IKEA ein Unternehmen ist, das sich zum Ziel gesetzt hat, durch seine Tätigkeit eine positive Auswirkung für Mensch und Umwelt zu haben.

Wie möchte IKEA möglichst viele Menschen dabei unterstützen, zu Hause nachhaltiger zu leben?

Bereits jetzt zeigen wir in unseren Einrichtungshäusern und online inspirierende Lösungen für ein gesundes und nachhaltigeres Leben zu Hause – und es wird noch mehr kommen ;-). So empfehlen wir Produkte, die aus nachhaltigen Materialien, wie z. B. Bambus, oder in nachhaltiger Produktion hergestellt wurden. Unsere Küchenfront KUNGSBACKA aus recycelten PET-Flaschen ist nur eines von vielen schönen Beispielen, genauso wie die luftreinigende Gardine GUNRID.

Der Launch unseres PLANTBULLAR war ein wichtiger – und für mich als Vegetarierin auch toller – Schritt, um den Fleischverzehr zu verringern und dadurch die Klimabilanz zu verbessern. Dank unserer Investition in Wind- und Solarparks wird IKEA erstmals mehr regenerative Energie erzeugen, als das Unternehmen selbst verbraucht. Zusammen mit anderen Unternehmen wollen wir international, aber auch in den Ländern selbst etwas bewirken. Deshalb wurde die Rolle der CSOs (Chief Sustainability Manager) in den einzelnen Märkten eingeführt.

Ikea Tanja Dolphin 5 PLANTBULLAR sind eine leckere Alternative zu den klassischen KÖTTBULLAR.

Was ist für dich besonders wichtig, wenn es um ein nachhaltiges Leben geht?

Ich persönlich finde es besonders wichtig, auf den Verzehr von Fleisch, insbesondere auf Rindfleisch, zu verzichten. Ich ernähre mich selbst vegetarisch und ich bin davon überzeugt, dass der Klimawandel stark reduziert werden kann, wenn möglichst viele Menschen ihren Fleischkonsum einschränken – es muss nicht jeder Vegetarier werden, aber bewusst damit umzugehen, ist wichtig.

Auch Essensreste sollten verwertet werden, anstatt sie wegzuwerfen. Ich achte darauf, möglichst Produkte aus lokalem Anbau und saisonal zu kaufen und dabei weitgehend auf Plastikverpackungen zu verzichten. Außerdem habe ich mir in diesem Jahr die Herausforderung gestellt, an 365 Tagen keine neue Kleidung zu kaufen und stattdessen alles zu tragen, was sich in meinem Kleiderschrank befindet, Secondhand-Kleidung zu shoppen oder mir etwas zu leihen.

Welche Tipps für den Alltag kannst du unseren Lesern geben?

Fangt mit kleinen Schritten an und überfordert euch nicht, wenn ihr etwas an eurem Verhalten ändern möchtet. Man sollte die Reise zu einem nachhaltigen Leben als ein langfristiges Projekt sehen und sich auch über kleine Erfolge freuen.

Ikea Tanja Dolphin 15 Von der Nordsee zum Öresund – Tanja liebt das Meer.

Du bist gebürtige Deutsche, lebst aber bereits seit vielen Jahren in Schweden – was ist für dich der markanteste Unterschied zwischen den Ländern?

Ich lebe jetzt seit 13 Jahren in Schweden und was mich hier nach wie vor inspiriert, ist die Liebe zur Natur. Es ist egal, wie das Wetter ist, man verbringt einfach mehr Zeit draußen. Seit der Pandemie gehe ich morgens zum Meer und ganz kurz ins Wasser. Ich lebe direkt am Öresund: Es ist kalt, aber so erfrischend – ein super Start in den Tag. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit habe. Ich komme gebürtig von der Nordsee und durch die Gezeiten sieht man das Wasser dort nicht so häufig. ;-)

Auch die Jahreszeiten sind hier viel stärker ausgeprägt, bedingt durch das veränderte Tageslicht im Laufe des Jahres. Mein Lieblingsfeiertag ist Lucia – wenn die langen dunklen Tage des Winters bald kürzer werden, das tut der Seele gut und die Lussekatt schmecken auch richtig lecker! Im Allgemeinen wird in Schweden viel an den gesunden Menschenverstand appelliert und das funktioniert auch meistens. So gibt es das Jedermannsrecht, welches freien Zugang zur Natur gewährleistet und jeder kann z. B. campen, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Diese schöne Natur sollen auch die Generationen nach uns noch erleben dürfen.

Danke für das Interview, liebe Tanja! Um frische Impulse im Kampf gegen den Klimawandel zu sammeln, haben wir in diesem Jahr gemeinsam mit Meinungsführern und jungen Aktivisten aus aller Welt einen digitalen Weltklimagipfel ausgerichtet.