Unsere neue Nachhaltigkeitsmanagerin im Interview

Ob im Garten, in der Wohnung oder im beruflichen Alltag – für Kasia muss es grün sein!

Das Thema Nachhaltigkeit ist für Katarzyna Dulko-Gaszyna, die von allen kurz Kasia genannt wird, eine Herzensangelegenheit. Die gebürtige Polin zog in diesem Jahr aus Warschau nach Deutschland, um im August ihre Stelle als Country Sustainability Managerin anzutreten. Im Interview erzählt sie von ihren eigenen Nachhaltigkeitsstrategien im Alltag und davon, worauf sie sich im Rahmen ihrer neuen Tätigkeit am meisten freut.

Ikea Nachhaltigkeit Managerin 04 Katarzyna „Kasia“ Dulko-Gaszyna ist die neue Country Sustainability Managerin bei IKEA Deutschland.

Hallo Kasia, erzähl uns doch mal etwas über dich!

Ich bin 38 Jahre alt und komme aus Oswiecim, einer kleinen, sehr grünen Stadt im Süden Polens, die viele vielleicht durch den historischen Ort Auschwitz kennen. Die letzten 15 Jahre habe ich jedoch in Warschau gelebt. Nach Deutschland bin ich mit meiner kleinen Familie gekommen – meinem Mann und unserer fünfjährigen Tochter – um im August 2020 meinen Posten als Nachhaltigkeitsmanagerin für IKEA Deutschland anzutreten. Jetzt leben wir in einer kleinen Stadt im Taunus, und das genießen wir sehr.

Du bist die neue Nachhaltigkeitsmanagerin bei IKEA Deutschland. Wann hat deine IKEA Reise begonnen? Was hast du vorher gemacht?

Das Thema Nachhaltigkeit hat mich schon immer auf meinem Berufsweg begleitet. Ich habe Politikwissenschaft und Umweltmanagement an den Universitäten in Krakau und Warschau studiert, mit Austauschsemestern in Hamburg und Bremen. Als Studentin engagierte ich mich für verschiedene politische Bewegungen und arbeitete für NGOs zu Themen wie Biodiversität und Diversität allgemein, reiste durch Europa und die Türkei, um verschiedene Projekte zu entwickeln, traf junge Menschen und lernte viel. Irgendwie hat es geklappt, dass ich als Nachhaltigkeitsmanagerin im Verlagswesen arbeiten konnte, vor einem Jahrzehnt kam ich dann zu IKEA in Polen und jetzt bin ich hier. Ich denke, tief in meinem Inneren bin ich eine leidenschaftliche Umweltschützerin und Aktivistin. Und das passt gut zu den heutigen Nachhaltigkeitsanforderungen, auch auf Unternehmensebene.

Ikea Nachhaltigkeit Managerin 01 Den Alltag der Menschen mit mehr Nachhaltigkeit zum Positiven verändern – das ist das Ziel von Kasia.

Wie hat sich der Wechsel nach Deutschland ergeben?

In der Welt herumzukommen, ist Teil der IKEA Kultur. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich innerhalb des Unternehmens weiterzuentwickeln und IKEA unterstützt es immer. Ich habe mich sehr bewusst für IKEA Deutschland entschieden, habe mich beworben und wurde genommen. Für mich als Nachhaltigkeitsprofi ist der deutsche Markt sehr spannend. Wenn es um Nachhaltigkeit geht, haben deutsche Verbraucher hohe Erwartungen an Wirtschaftsakteure, die Menschen sind gut informiert und die Infrastruktur ist gegeben. Ich möchte meinen Teil zu großen Veränderungen beitragen – und IKEA hat großes Potenzial, Nachhaltigkeit in den Alltag der Menschen zu bringen.

Was sind deine Aufgaben als Nachhaltigkeitsmanagerin?

Wir bieten Millionen von Menschen, die bei IKEA einkaufen oder uns mit anderen Absichten besuchen, die Möglichkeit für ein nachhaltiges und gesundes Leben. In meiner Position ist es sehr wichtig, das kommerzielle Geschäft zu verstehen und zu unterstützen, sodass wir gemeinsam unseren Konsum verändern können.

Dabei geht es nicht nur darum zu wissen, warum und welche unserer Produkte nachhaltig sind und welche Vorteile unsere Kunden davon haben. Es ist auch wichtig, nach Wegen und Lösungen zu suchen, damit die Menschen es sich leisten können. Wir wollen sie zudem motivieren, sich zu engagieren und gesund zu leben – alles im Rahmen der Kapazitäten unseres Planeten.

Hier spielen viele Faktoren hinein. Ich persönlich finde die Arbeit rund um kooperativen und nachhaltigen Konsum sehr spannend – beruflich und privat. Insbesondere, wenn es dabei um wirklich große Dinge geht. Und natürlich ist da immer die Suche nach Innovationen, neuen Dienstleistungen in einigen völlig neuen Bereichen. Als Nachhaltigkeitsmanagerin koordiniere, motiviere und überwache ich das Geschäft, um die Ziele aller Schwerpunktbereiche zu erreichen.

Ikea Nachhaltigkeit Managerin 05 Als leidenschaftliche Gärtnerin fängt für Kasia Nachhaltigkeit bereits im eigenen Beet an.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich persönlich?

Nachhaltigkeit ist ein großer Teil meines Lebens – ein Thema, das mich irgendwie schon immer verfolgt, dem ich einfach nicht entkommen kann. Es ist ein riesiges Gebiet, auf dem sich meine Erfahrung mit Emotionen vermischt – ich versuche es miteinander zu verbinden, und es funktioniert. Bis heute lerne ich immer wieder dazu.

Würdest du deinen Lebensstil als nachhaltig bezeichnen? Kannst du uns ein paar Beispiele nennen?

Ich habe einige Prinzipien, an die ich mich halte. Das fängt damit an, dass ich eine passionierte Gärtnerin bin – und das schon mein ganzes Leben. Ich glaube, jeder sollte eine Verbindung zur Natur haben oder zumindest zu Pflanzen. Wo auch immer ich lebe, ich suche nach einer Möglichkeit, mein eigenes Gemüse anzubauen, einen Lebensraum für Insekten zu schaffen, lokale Kräuter zu pflanzen und Reste zu kompostieren. Kompost ist mir wichtiger als ein Rosenbeet – wirklich. Das hat immer Priorität. Das versuche ich auch meiner Tochter beizubringen.

Außerdem habe ich klare Regeln, wenn es um Konsum von Kleidung geht. Wenn ich etwas Neues kaufe, entscheide ich mich immer für nachhaltige Marken – das überprüfe ich immer. Und ich habe lokale Favoriten. Doch die meiste Kleidung kaufe ich Secondhand – oder ich tausche. Meine Freunde wissen das inzwischen und bringen viel vorbei. Umgekehrt sorge ich dafür, dass meine aussortierten Teile ein neues Zuhause bekommen.

Darüber hinaus engagiere ich mich an Klimainitiativen. Man trifft mich oft auf Demos. Was ich selbst sehr bedauerlich finde, ist, dass ich ziemlich viel Auto fahre. Ich arbeite daran, versuche öfter aufs Rad umzusteigen. Doch um ehrlich zu sein, Zeit und logistische Herausforderungen des Alltags sind meine größten Feinde. Ich hoffe, das wird sich eines Tages ändern.

Ikea Nachhaltigkeit Managerin 07 IKEA möchte mit seinen Produkten einen nachhaltigen Kreislauf schaffen.

Du hattest ja in Polen den gleichen Posten inne. Welche Unterschiede zwischen den Ländern fallen dir auf?

IKEA Polen nimmt die Aufgabe, das Land nachhaltiger zu machen, schon seit vielen Jahren sehr ernst. Kohle dominiert den Energiesektor, deshalb erleben die Menschen dort die Umweltverschmutzung auf einer sehr persönlichen Ebene. Dazu gehört die Luftverschmutzung durch Kohleheizungen im Winter, aber auch eine mangelhafte Infrastruktur für die Müllverwertung. Diese Themen standen in den letzten Jahren in Polen ganz oben auf der Tagesordnung und die Menschen fingen an, Lösungen zu fordern und selbst Maßnahmen zu ergreifen. Das Interesse an Zero-Waste-Lösungen ist riesengroß und damit der Kampf gegen Plastikverpackungen. Es boomt das Geschäft mit Solarenergie und die Entwicklung von Innovationen zur Luftreinigung. Und insbesondere in den Großstädten entscheiden sich immer mehr Menschen für eine vegetarische Ernährung.

In Deutschland legen Verbraucher großen Wert darauf, woher die Dinge kommen, die sie konsumieren – das gilt insbesondere für Lebensmittel. Sie kontrollieren viel und haben hohe Erwartungen an die Wirtschaft. Vieles auf diesem Gebiet wird als selbstverständlich empfunden. Doch jeder Kauf ist eine Stimme für eine bestimmte Sache. Viele engagieren sich für ökologische Organisationen. Anders als in Polen ist in Deutschland die Infrastruktur für die Abfallentsorgung gegeben, auch erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch – doch es bedeutet noch lange nicht, dass wir schon am Ziel sind.

Wir überprüfen die Erwartungen der Kunden in Deutschland an IKEA, wenn es um klimafreundliches Verhalten geht. Die Menschen wollen lernen, sparsamer mit Dingen umzugehen, sie zu reparieren oder aufzubereiten. Ihnen genau das zu ermöglichen ist unser Ziel.

Ikea Nachhaltigkeit Managerin 06 Bei IKEA werden wir weiterhin auf die Energiegewinnung durch PV-Anlagen auf unseren eigenen Dächern setzen.

Was sind deine Pläne und Ziele für mehr Nachhaltigkeit innerhalb deiner Tätigkeit in Deutschland?

Unsere Vorhaben für Deutschland könnten einen Einfluss auf das Unternehmen weltweit haben. Das geht weit über den Wunsch, Lösungen für einen nachhaltigen Konsum voranzutreiben, hinaus. Der globale CO2-Fußabdruck unseres Unternehmens hängt in hohem Maße von bedeutenden Investitionen in Bereichen wie Energie, Abfall und Wasser ab. Aber auch von der Art und Weise, wie wir unsere bestehenden und neuen Gebäude bauen und betreiben.

So werden wir beispielsweise weiterhin in PV-Anlagen auf den Dächern unserer Geschäfte und in das Heizen mit erneuerbaren Energien investieren. Es wird auch viel passieren, damit wir den Menschen mit unseren Angeboten mehr Zirkularität ermöglichen können. Dabei meine ich nicht die Abfallentsorgung, es geht wirklich darum, unseren beliebtesten Produkten ein zweites Leben zu geben. Schon jetzt arbeiten wir verstärkt daran, möglichst vielen Menschen den Zugang zu unseren nachhaltigen Produkten zu ermöglichen. Und ich hoffe, dass die Vielfalt der Lösungen jedem beim nächsten Besuch bei IKEA oder online auffällt.

IKEA steht gerade am Beginn des neuen Geschäftsjahres, das ein „Leap Year“ in Sachen Nachhaltigkeit werden soll. Was erwartet uns da?

Das „Leap Year“ ist für uns bei IKEA ein großer Schritt. Wir haben beschlossen, dass wir nach vielen Jahren des Schweigens laut über Nachhaltigkeit sprechen wollen. Mit allen Konsequenzen. Für uns ist es eine Art Mission. Die liegt darin, jedem zu zeigen, dass die Suche nach Lösungen, die dem Planeten (und uns selbst) helfen, nicht schwierig und teuer sein muss. Denn wir gehören zu den Millionen von Menschen, die eine Veränderung wollen.

Ikea Nachhaltigkeit Managerin 02 Reparieren statt wegwerfen – so lautet auch die Vorstellung von Kasia.

Wo siehst du Potenzial? Wo muss IKEA in Sachen Nachhaltigkeit noch besser werden?

Wenn es um unsere Produkte geht und darum, wie sie entworfen, hergestellt und verwendet werden, dann finde ich: Wir machen es schon sehr gut. Es wurde zudem vieles dafür getan, dass wir heute mehr saubere Energie aus Wind, Sonne und Biomasse produzieren, als wir selbst nutzen können. Der nächste Schritt liegt darin, diese auch unseren Kundinnen und Kunden bereitstellen zu können.

Außerdem haben wir allein im letzten Jahr durch Reparaturen 47 Millionen beschädigte oder zurückgeschickte Produkte vor dem Wegwerfen gerettet, aber uns reicht das noch nicht. Wir vertrauen auf die neue Sichtweise der Menschen und wir wollen sie dabei unterstützen, die Lebensdauer von Dingen zu verlängern.

Gibt es Themen im Bereich Nachhaltigkeit oder bei deiner Arbeit, die dir besonders am Herzen liegen?

Oh ja, es gibt eine Sache, an die ich wirklich glaube – und das ist Selbstversorgung. Nur wenige ziehen es in Betracht, ihren Haushalt so aufzubauen, dass dieser möglichen Krisenfällen standhält. Im weltweiten Vergleich ist dieser Trend in Deutschland mit am wenigsten verbreitet. Dafür habe ich drei Beispiele: die Nutzung sauberer Energie zu Hause, von Solar/PV-Anlage und idealerweise der Erdwärmepumpe, der Anbau eigener Lebensmittel und das Sammeln von Regenwasser. Auf unserem Familienhaus haben wir seit einigen Jahren Solaranlagen und ich denke, es war die beste Investition, die ich je machen konnte. Wasser und Garten bilden bei uns einen Kreislauf. Ich denke, unterbewusst hat sich meine Familie schon immer auf Krisen vorbereitet – sei es etwas wie die jüngsten Lockdowns, Stromausfälle oder alles, was mit einer Klimakrise einhergehen könnte. Ich möchte mehr Menschen von dieser Idee der Selbstversorgung überzeugen.

Was antwortest du Kritikern, die sagen, dass Nachhaltigkeit und Konsum im Widerspruch zueinanderstehen und dass ein Unternehmen wie IKEA, das große Mengen an Ressourcen verbraucht, per se nicht nachhaltig sein kann?

Ich bin davon überzeugt, dass gerade solche großen Unternehmen wie wir etwas verändern können und müssen. Wir sind Teil des Problems, deshalb sollten wir auch Teil der Lösung sein. Natürlich ist der Konsum an sich ein wirkliches Problem. In der heutigen Welt beobachten wir einen enormen Überkonsum. Wenn es jedoch um grundlegende Produkte geht, die nachhaltig und hochwertig sein sollten, stellen wir einen Unterkonsum fest. Unser Ziel ist es, dass alle Menschen die Möglichkeit bekommen, nachhaltig zu konsumieren und das innerhalb der Grenzen unseres Planeten.

Ikea Nachhaltigkeit Managerin 03 Kasia blickt zuversichtlich den nächsten Schritten von IKEA, in Richtung eines zirkulären Wandels, entgegen.

Worauf freust du dich am meisten?

Ich glaube, dass Deutschland mit seiner Größe und seinen aufgeklärten Verbrauchern einen großen Schritt in Richtung eines zirkulären und klimafreundlichen Wandels machen kann. Und ich freue mich einfach, Teil dieser Reise zu sein.

Hast du Tipps, wie wir alle ein bisschen nachhaltiger leben können?

Wähle doch ein Thema, aus dem Gebiet der nachhaltigen Lebensweise. Die Auswahl ist groß, dazu gehört zum Beispiel:

· Vegane Ernährung

· Pflanzen zu züchten

· Bäume zu pflanzen

· Auf das Auto zu verzichten

· Dinge und Kleidung gebraucht zu kaufen

· Lokale Biolebensmittel zu essen

· Regenwasser zu sammeln

· Solaranlagen zu nutzen

· alle Glühbirnen gegen LED-Lampen tauschen und bei Geräten auf eine hohe Energiesparklasse zu achten

· Lebensmittelverschwendung zu vermeiden

· den Restmüll zu reduzieren und zu sortieren

· kompostieren

…um nur einige Ideen zu nennen. Werde anschließend der Beste auf deinem ausgesuchten Gebiet. Lerne, bilde dich immer weiter und teile dein Wissen mit Freunden oder mit Menschen in den sozialen Medien. Fang damit an, andere mit deinem eigenen Beispiel zu überzeugen und zu inspirieren. So wirst du zum echten Changemaker. Ich denke, dass wir genau das heute brauchen. Und ich bin sicher, dass deine Begeisterung nach einer Weile auf andere Bereiche auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit überspringt.

Danke für das Interview, liebe Kasia! Du interessierst dich detaillierter für das Thema „Nachhaltigkeit bei IKEA“? Hier verraten wir dir, was bei unserem Klimagipfel im Fokus stand!