Ohne Hafermilch geht heute nichts

Von Schweden in die ganze Welt: Das Heimatland von IKEA hat viele bekannte Persönlichkeiten hervorgebracht, die das Leben vieler Menschen besser, bunter und einfach schöner machen. Ob Künstler, Unternehmer oder Schriftsteller, in loser Reihenfolge möchten wir dir einige dieser faszinierenden Menschen vorstellen. Die nächste Person unserer Serie ist Rickard Öste, Professor, Chemiker und Erfinder der Hafermilch.

Er ist der Mann, der Menschen zum Ausrasten bringt. Die Rede ist nicht etwa von einem angesagten Popstar. Es geht um einen 71-jährigen Schweden, mit bodenständigem Stil, markanter Brille und nettem Lächeln. Im Rampenlicht steht er selbst nicht. Doch seine Erfindung ist wohl jedem schon mal begegnet: Rickard Öste entwickelte als Professor an der Universität im südschwedischen Lund Mitte der Neunzigerjahre die Hafermilch.
Inzwischen gibt es das Produkt von diversen Herstellern. Doch jene von Oatly sind die wahren Popstars. In keinem angesagten Café darf die „Milch“ fehlen. Denn gegen den fluffigen Schaum und den milden Geschmack kommt die Konkurrenz nicht an. Schnell haben die Menschen verstanden, dass genau diese Alternative zur Kuhmilch in Kaffeespezialitäten funktioniert wie keine andere.

Ikea Oeste „Oatly" macht, laut vielen Kaffeeliebhabern, jede Variante genussvoller, egal ob Milchkaffee, Latte Macchiato oder Capuccino.

Nachhaltigkeit als treibende Kraft

Die Nachfrage ist riesig. Sie ist so groß, dass es auch schon mal Lieferengpässe gibt. Mit anderen Produkten ist der liebste Cappuccino einfach nicht dasselbe – und der Satz „Es gibt leider kein Oatly mehr“ ist morgens vor dem ersten Kaffee so gar keine gute Nachricht. Als ich vor einer Weile in einem Berliner Café nach Hafermilch fragte, sagte mir die Cafébesitzerin: „Natürlich haben wir die. Ohne Hafermilch geht heute gar nichts“.

In Schweden und dem Vereinigten Königreich war Oatly kurz nach dem Release blitzschnell ausverkauft. 2018 gab es in New York eine regelrechte Oatly-Krise, weil die damals noch recht schmale Produktion der Nachfrage nicht hinterherkam. Das Ergebnis: hysterische Gefühlsausbrüche von Gästen in hippen Cafés von Brooklyn bis Manhattan. Östes Firma reagierte auf die Nachfrage mit dem Bau von zwei Oatly-Fabriken in den Vereinigten Staaten, die im vergangenen Jahr in Betrieb genommen wurden. Hinzu kamen zwei weitere – eine in Spanien und eine in den Niederlanden. Regionalität ist Rickard Öste wichtig – Nachhaltigkeit war eine der treibenden Kräfte bei der Entwicklung des Haferdrinks.
Jedoch kann man nicht leugnen, dass Öste ein Geschäftsmann ist – und das durch und durch. Bevor er in 90er-Jahren mit der Entwicklung der Hafermilch begann, analysierte er den Markt und erkannte den Bedarf: Laktoseintolerante Menschen, Veganer, Soja-Allergiker, Menschen, die sich koscher ernähren – sie alle würden seine Produkte kaufen. Er sollte Recht behalten. Heute verkauft Oatly 120 Millionen Liter Hafermilch im Jahr, Tendenz steigend.

Rickard Oeste Small Rickard Öste, Professor, Chemiker und Erfinder der Hafermilch. (Foto: Edin Sandic)

Öste lernt seine Frau im Haferfeld kennen

Der Boom des Produkts ist am Supermarktregal deutlich zu sehen. Noch vor einem Jahr gab es einen schmalen Streifen Oatly zwischen all den Konkurrenzprodukten. Mit einem einzigen Unterschied: Während andere Marken die Regale prall füllten, fand man über dem Oatly-Schildchen nur ein schwarzes Loch. Es war fast immer ausverkauft. Nach und nach wurde der Platz für Östes Kreation verdoppelt, verdreifacht. Trotzdem kauften die Menschen so viel sie tragen konnten und gaben sich gegenseitig Tipps in den sozialen Netzwerken, wo die Hafermilch noch zu kriegen ist.

Das Produkt ist zum Teil eines Lifestyles geworden. Werbung ist bei Oatly nicht einfach Werbung – es sind haushohe Murals in Großstädten. Es sind frische Werbesprüche wie „It's like milk but made for humans”, also etwa „Es ist wie Milch, nur für Menschen“ oder auch sehr hip gestaltete Instagram-Posts.
Oatly ist heute der größte Hafermilchproduzent auf dem Markt. Und Öste, der Erfinder, kann es einfach nicht lassen. Bis heute forscht er an neuen Produkten. Allerdings überwiegend von China aus, wo er mit seiner zweiten Frau in Hongkong lebt. Begegnet sind sie sich übrigens erstmals mitten in einem Haferfeld. Wie könnte es auch anders sein.