„Schlafen, nur anders“

In unserem Alltag begegnen wir immer wieder Menschen, die zum Beispiel aufgrund ihres Jobs keine durchschnittlichen Schlafzeiten haben. Es sind Ärzte, Bäcker, Freiberufler, Journalisten, die sich an ihren ganz eigenen Schlafrhythmus gewöhnt haben – und das, selbst wenn ihr „Tag“ mitten in der Nacht beginnt. Wir haben bei diesen Menschen einmal nachgefragt.

Heute möchte ich euch Kerstin vorstellen. Die 46-jährige Ehefrau und Mama von zwei Kindern im Alter von 13 und elf Jahren arbeitet als Kinderärztin. Viel Schlaf braucht sie nicht – in den Nachtstunden ist sie oft wach und während die ganze Familie schläft, genießt Kerstin ihre eigene Art von Freizeit.

Ikea Schlafrhythmen 07 Als Kinderärztin hat Kerstin einen Job mit viel Verantwortung und unterschiedlichen Arbeitszeiten. © Luis Melendez via Unsplash.

Was machst du beruflich, warum hast du einen anderen Schlafrhythmus und wie sieht dieser aus?

Ich bin Kinderärztin und habe lange im Schichtdienst gearbeitet – mal früh, mal spät, mal in der Nachtschicht. Momentan arbeite ich mit halbwegs geregelten Arbeitszeiten und zusätzlich drei- bis fünfmal Mal im Monat im Bereitschaftsdienst. Das sind dann 24-Stunden-Dienste. Dadurch bedingt habe ich keinen richtigen Schlafrhythmus. Ich bin häufig nachts wach, schlafe dafür abends ab und zu auch schon um 19 Uhr ein, oder sogar früher. Das kann überall sein – auf dem Sofa, einem Stuhl, dem Boden, auf Festen – lehnend gegen eine Wand. Da bin ich dann nicht anspruchsvoll (lacht). Nach einem 24-Stunden-Dienst hingegen kann ich oft erst einmal überhaupt nicht schlafen.

Wie lange lebst du schon mit diesem Schlafrhythmus?

Ich war schon immer eine „Nachteule“ und kam mit wenig Schlaf aus. Auch im Medizinstudium musste ich ab und zu „Nachtschichten“ vor Klausuren oder Examina einlegen, was problemlos ging. Dafür habe ich mich am späten Nachmittag gegen 17 Uhr hingelegt, um dann um Mitternacht zum Lernen aufzustehen. Beruflich lebe ich mit diesem „Schlafrhythmus“ bereits seit 2001.

Ikea Schlafrhythmen 06 Wenn sie nicht schlafen kann, schaut Kerstin gerne Geschichts- oder Tierdokus.

Hat dein Partner den gleichen Schlafrhythmus? Und wenn nicht, wie sieht dieser aus?

Mein Partner hat einen anderen Schlafrhythmus, allerdings auch keinen „normalen“. Er schläft häufig früh am Abend ein, um dann Mitten in der Nacht zum Arbeiten aufzustehen. Schichtdienst oder Bereitschaftsdienst hat er allerdings nicht.

Wie hast du es geschafft, dich an deinen neuen Schlafrhythmus zu gewöhnen? Hast du spezielle Tipps und Tricks, die dir geholfen haben?

Eigentlich habe ich nichts Besonderes getan. Beruflich gibt es keine andere Wahl, daher ärgert mich das eigentlich nicht. Ich kenne Kollegen, die sich ziemlich stressen, wenn sie nicht schlafen können. Mich stresst das gar nicht, ich lese, schaue Geschichts- oder Tierdokus, beantworte E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten, wenn ich tagsüber nicht dazu gekommen bin. Irgendwann schlafe ich meist ein. Einige Kollegen haben mit der Einnahme des Schlafhormons Melatonin gute Erfahrungen gemacht, darüber kann ich nicht berichten, denn ich habe es nie versucht.

Ikea Schlafrhythmen 05 Wenn sie müde ist, kann Kerstin an den unterschiedlichsten Stellen einschlafen – besonders gerne auf dem Sofa.


Wie beeinflusst der Schlafrhythmus dein Sozial- und Familienleben sowie deine Freizeit?

Im Schichtdienst mit oft gegenläufigen Schlafenszeiten hat man eigentlich kein Sozialleben (lacht). Wenn man arbeitet, schlafen alle anderen und wenn man freihat, sind alle anderen auf der Arbeit. Da ich kein Mensch bin, der auf sämtlichen Partys und Events auftauchen muss, hat mich auch dies zunächst nicht extrem gestört. Nach einer gewissen Zeit ging aber selbst mir der Schichtdienst aus diesem Grund auf die Nerven und ich habe die Intensivstation als Dauer-Arzt „verlassen“. Inzwischen arbeite ich nur noch in den Bereitschaftsdiensten dort. Heute beeinflusst mein Schlafrhythmus eigentlich kaum noch die oben genannten Bereiche, innerhalb der Familie haben wir uns gut arrangiert. Wenn ich wirklich müde bin und schlafen möchte, kann ich dies durchaus auch im größten Trubel, da muss niemand leise sein. Trotzdem bin ich wohl ab und zu auch übellaunig, wenn ich übermüdet bin (lacht).

Wie geht es dir, wenn du zu wenig Schlaf bekommst? Was hilft dir in diesem Fall?

Wenn ich wirklich ein großes Schlafdefizit habe, dann schlafe ich – egal wo und egal zu welcher Uhrzeit – sofern es möglich ist. Es ist mir da durchaus auch schon passiert, dass ich z.B. im Sitzen bei einer Geburtstagsfeier eingeschlafen bin oder an eine Wand lehnend beim Schulfest oder auch in der Badewanne… Meine Familie würde bestätigen, dass sich der Schlafmangel manchmal auf meine Laune auswirkt. Ich glaube, da hilft wirklich nur Schlaf.

Änderst du deinen Schlafrhythmus, wenn du beispielsweise freihast, etwa im Urlaub oder wenn die Kinder bei den Großeltern übernachten?

Tatsächlich stellt sich mein Schlafrhythmus im Urlaub komplett auf „normal“ um. Dann bin ich diejenige, die oft morgens noch tief schläft, während alle anderen schon lange wach sind. Außerdem schlafe ich da auch komplette Nächte durch – das mache ich sonst eigentlich nie.

Ikea Schlafrhythmen 04 Ein Ritual – vor dem Einschlafen ein Buch lesen.

Wie kommst du mit deinem Schlafrhythmus zurecht? Hat es lange gedauert, bis du dich umgewöhnt hast?

Ich komme gut mit meinem Rhythmus zurecht. Ich glaube nicht, dass es lang gedauert hat, es hat sich einfach so ergeben.

Empfindest du den „ungewöhnlichen“ Schlafrhythmus als störend oder hast du dich inzwischen so daran gewöhnt, dass es für dich „normal“ ist?

Ich empfinde ihn nicht als störend. Ich habe mich daran gewöhnt – je weniger man sich ärgert und stresst, desto besser.

Gibt es vielleicht sogar etwas, das du an deinem Schlafrhythmus schätzt?

Nachts, wenn alle anderen im Bett sind, genieße ich die Zeit, die ich für mich allein habe. Dann lese ich gern oder schaue mir Dinge im Fernsehen an, auf die nur ich Lust habe. Zum Entspannen löse ich dann auch mal Logikrätsel oder male „Malen nach Zahlen“ mit Buntstiften.

Ikea Schlafrhythmen 03 Klavier spielen hilft Kerstin, nach der Arbeit abzuschalten. © Jordan Whitfield via Unsplash.

Fällt es dir generell schwer, morgens aufzustehen oder abends ins Bett zu gehen?

Nein, ich kann ohne Wecker zu jeder beliebigen Zeit aufstehen, wenn ich das muss, etwa um zu Tanzturnieren mit meiner Tochter zu fahren oder wenn es auf den Weg in den Urlaub geht. Ich stehe normalerweise morgens zwischen 5.45 und 6 Uhr auf – ich glaube, ich habe mir in meiner Schulzeit das letzte Mal einen Wecker gestellt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals verschlafen zu haben, höchstens um ein paar Minuten. Und ins Bett gehe ich, wenn ich müde bin. Oft schlafe ich auch auf dem Sofa ein und wandere dann erst spät in der Nacht ins Bett.

Hast du bestimmte Gewohnheiten oder Rituale, die dir abends beim Einschlafen helfen? Welche sind es?

Ich lese immer vor dem Einschlafen „echte“ Bücher, keinen E-Reader. Da ich nach der Arbeit immer etwa 45 Minuten mit dem Auto nach Hause fahre, ist das die Zeit für mich, um abzuschalten und den Klinikalltag mitsamt den Patienten und Geschehnissen hinter mir zu lassen. Ansonsten schaue ich gerne Dokumentationen, löse Rätsel oder male Bilder aus. Auch Klavier spielen hilft, um abzuschalten. Abends oder nachts geht das aber nicht, sonst wecke ich alle anderen auf.

Wie viel Schlaf benötigst du, um dich ausgeruht zu fühlen? Schaffst du es, das einzuhalten?

Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Ich komme durchaus mit zwei Stunden aus, aber natürlich nicht auf Dauer. Im Urlaub können daraus auch mal zwölf Stunden werden.

Vielen Dank für das spannende Interview, liebe Kerstin! Hast du Probleme beim Einschlafen? Dann schau dir unsere Tipps an, um schnellstmöglich in der Traumwelt zu schlummern.