Für eine grüne Zukunft – neue Ausstellung im DAM Frankfurt

Es grünt in der Düsseldorfer Innenstadt – zum Beispiel beim Ingenhoven-Tal-Projekt. Foto: H.G. Esch

Wie sehen unsere Städte in der Zukunft wohl aus? Und wie wird sich dabei insbesondere die Architektur verändern? Diesen Fragen geht das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt (DAM) in der Ausstellung „Einfach Grün – Greening the City“ auf den Grund. Der Name verrät schon, dass mehr Natur in die städtischen Straßenzüge einziehen soll. Ein Trend in diese Richtung zeichnet sich schon seit mehreren Jahren ab. Zuletzt befeuerte zusätzlich die Pandemie die Sehnsucht der Menschen nach einer grüneren Umgebung.

Ikea Dam Ausstellung 09 Die grüne Hausfassade des „Stadthaus M1, Green City Hotel“ in Freiburg-Vauban. Foto: Stefan Müller

Die von der IKEA Stiftung geförderte Ausstellung beleuchtet das Thema „Grün in der Stadt“ aus verschiedenen Perspektiven. Infotafeln, die über den gesamten Ausstellungsraum verteilt sind, beantworten alle denkbaren Fragen rund um das Thema: von Pflanzenarten, die in unserer Region besonders gut gedeihen, über die Reaktion von Tieren auf das Gebäudegrün bis hin zu begrünten Dächern, wie diese angelegt werden und was die verändern können. Zudem werden Modelle von begrünten Gebäuden vorgestellt, die bereits in Städten auf der ganzen Welt zu finden sind.

Begrünung ist mehr als Dekoration: Luftfilter, Lärmschutz und Lebensraum

Neben Fotografien und Modellen sind auch echte Pflanzen Teil der Ausstellung. Das DAM zeigt am eigenen Beispiel, wie Begrünung auch auf kleinstem Raum funktioniert. Dazu wurden Flächen im Innen- und Außenbereich des Gebäudes mit Pflanzen bestückt, die auf die jeweiligen Bedingungen angepasst sind. Im Inneren schmücken etwa Zimmertannen den Raum. Die Wände der Fensterschächte wurden mit vertikalen Bepflanzungslösungen ausgestattet und im Innenhof sprießt das Grün aus speziellen Pflanzsäcken, den „Pocket Habitats“. Diese kann jeder auf seinem Dach oder seiner Terrasse mühelos platzieren und somit seinen Teil zur Städtebegrünung beitragen.

Ikea Dam Ausstellung 03 Das „Eden“-Wohngebäude in Singapur – ein beeindruckendes Bauwerk mit grüner Lunge. Foto: Hufton+Crow

Die Macherinnen und Macher der Ausstellung wollen ein Verständnis dafür schaffen, dass die Städtebegrünung nicht in erster Linie als ein dekoratives Element verstanden werden sollte. Die Haus- und Dachbegrünung im Bestand und Neubau dient als Luftfilter, Lärmschutz und Lebensraum für Vögel und Insekten. Doch ebenso wichtig ist das Grün in seiner Funktion als Klimaanlage.

Drei bis fünf Grad kühler an Sommertagen

An besonders heißen Sommertagen entstehen in dicht bebauten Städten Hitzeinseln, da sich die Beton- und Glasfassaden stark aufheizen und die Wärme an ihre Umgebung abgeben. Die Hitze wird an diesen Stellen gespeichert und auch nachts kühlen sie nur wenig ab. Auf diese Weise erwärmen sich die Städte um bis zu zehn Grad Celsius im Vergleich zu ländlichen Gegenden. „Dies ist eine Entwicklung, der eine Architektur mit begrünten Dächern und Fassaden aktiv entgegenwirken kann“, sagt der Kurator der Ausstellung, Rudi Scheuermann.

Um eine spürbare Wirkung zu erreichen, stellt das DAM das sogenannte „Prinzip 20/20“ vor. Demnach würden etwa 20 Prozent der Gebäude in einem Straßenzug zu jeweils 20 Prozent pro Gebäudehülle bepflanzt sein. Auf diese Weise entstehen in Städten Mikroklimata, die zusammen das große Ganze ergeben. Acht bis zehn Prozent des Feinstaubs könnten mit diesem Modell gefiltert werden. Außerdem könne die Temperatur an heißen Sommertagen auf diese Weise um mindestens drei bis fünf Grad Celsius gesenkt werden.

Ikea Dam Ausstellung 08 „1000 Trees“ – ein begrünter Wohnkomplex in Shanghai. Foto: Qinyan Zhu

Jeder kann seinen Teil für eine grünere Zukunft beitragen

Beim Thema Gebäudebegrünung seien jedoch nicht nur Architekten, Planer und Politiker gefragt. Jeder einzelne Bürger könne schon heute seinen Teil beitragen, denn jede Pflanze zähle, egal ob im Balkonkasten oder auf einem begrünten Dach: „Wenn wir wirklich etwas erreichen wollen, dann dürfen wir uns nicht nur auf Neubauten konzentrieren. Es geht da insbesondere auch um den Bestand“, so Rudi Scheuermann.

Für ein nachhaltiges Ergebnis ist die Wahl der Pflanzen entscheidend. Pflegeleichte, heimische Pflanzenarten gedeihen unter Einfluss der Witterung fast von selbst. Ein Olivenbaum sei hingegen nicht die beste Entscheidung. Ebenso wenig eine imposante Fassadenbegrünung, in der Pflanzen viel Pflege benötigen, häufig absterben und ersetzt werden müssen.

Wie viel einzelne Privatpersonen bereits erreichen können, zeigt das DAM im Rahmen eines Wettbewerbs. Dafür konnten Interessierte im Vorfeld ihre privaten Begrünungsprojekte einreichen – über 100 Menschen nahmen daran teil.

Ikea Dam Ausstellung 07 Einer der zwei bekannten Türme des „Bosco Verticale“ in Mailand. Foto: Dimitar Harizanov

Beispiele für zukunftsweisende Architektur gibt es bereits im großen Stil. So regt etwa das Ökohaus am Frankfurter Westbahnhof zum Nachahmen an. Die Glaskonstruktion, die innen und außen stark bepflanzt ist, entstand im Rahmen eines Architektenwettbewerbs zwischen 1988 und 1990. Ein weiteres Beispiel ist das Baumhaus in Darmstadt aus den Siebzigerjahren, das mit Kiefern und Efeu bewachsen ist und über ein Regenwasserbecken und ein kleines Windkraftwerk verfügt.

Ein internationales Beispiel ist etwa das Bosco Verticale (dt. senkrechter Wald), die Zwillingstürme eines Hochhauskomplexes in Mailand, die zwischen 2008 und 2014 errichtet wurden. „Die Ausstellung zeigt damit nicht nur, dass eine grünere Stadt schon auf der Fensterbank beginnt und wirklich jeder mitmachen kann. Sie wird auch zur Vermittlungsplattform zwischen Ergebnissen der Technikforschung, Gestaltung, Gartenbau und den Anwender*innen. Der zukunftsweisende Ansatz und das Engagement der Menschen machen die Schau zu einem für die IKEA Stiftung besonders wichtigen Projekt“, sagt der Geschäftsführer der IKEA Stiftung, Peter Takacs.

Die Ausstellung ist noch bis zum 11. Juli in Frankfurt zu sehen. Aufgrund der aktuellen Situation sind Öffnungszeiten der Museumswebsite zu entnehmen. Informationen rund um die Ausstellung gibt es auf den sozialen Kanälen des DAM auf Youtube, Facebook und Instagram.

IKEA geht bei dem Thema Gebäudebegrünung mit gutem Beispiel voran: Erfahrt mehr über das innovativste Einrichtungshaus der IKEA Welt!