Millennial Loneliness – du bist nicht allein

Die sozialen Medien können Fluch und Segen zugleich sein. © Stefan Spassov via Unsplash

Wie enttäuscht doch letztes Jahr alle Geburtstagskinder waren, als der erste Lockdown das Feiern mit Freund*innen plötzlich unmöglich machte. Nun steht in meinem Fall der zweite Lockdown-Geburtstag vor der Tür. Diesmal konnte ich mich schon länger darauf einstellen. An solchen Tagen vermisst man seine Liebsten ganz besonders. Doch wie ist es, wenn aus dem Vermissen ein anhaltendes Gefühl der Einsamkeit wird? Dieser Zustand hat einen Namen – eine bestimmte Generation ist dafür besonders bekannt: Die Rede ist von der „Millenial Loneliness“. Wir haben uns genauer angeschaut, wie dieser Zustand entsteht, welchen Einfluss die Sozialen Medien darauf haben und was man dagegen tun kann.

Ikea Einsamkeit Millenial Loneliness 11 30 Prozent der Millennials fühlen sich einsam – und flüchten sich in digitale Welten.

Laut einer Studie fühlen sich 30 Prozent der Millennials häufig einsam. Es sind jene Menschen, die etwa zwischen 1980 und 1999 geboren sind, häufig werden sie auch „Generation Y“ genannt, wobei das „Y“ für „why“ (dt. warum) steht. Es bezieht sich darauf, dass diese Generation häufiger traditionelle Lebensstrukturen hinterfragt. Dieselbe Studie ergab, dass 22 Prozent dieser Zielgruppe überhaupt keine und 27 Prozent keine engen Freunde haben. Das anhaltende Gefühl der Einsamkeit erleben besonders oft jene, die in eine neue Stadt ziehen, um ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen oder einen neuen Job anzunehmen. Singles haben es besonders schwer – schon vor der Pandemie war der Dating-Dschungel eine Herausforderung, die aktuelle Isolation macht ihre Situation noch komplizierter.

Die möglichen Ursachen der Millennial Loneliness

Ein Grund für diese Einsamkeit könnte möglicherweise in der Kindheit liegt. Millennials sind die erste Generation, die früh mit einem eng getakteten Kalender durch den Alltag ging. Nachmittagsunterricht und Druck in der Schule, gefolgt von Hobbys, die – ob Tennis, Klavierunterricht oder Turnen – oft auf Profiniveau stattfanden. Da blieb nur wenig freie Zeit, um Freundschaften zu pflegen. Gleichzeitig etablierte sich die Gewohnheit, freie Zeit immer sinnvoll zu füllen. Alles war auf Leistung getrimmt. Doch irgendwann kommt die Phase, in der die Generation Y zu hinterfragen beginnt, was wirklich zählt.

Vielleicht ist es kein reines Millennial-Phänomen, doch sie sind eine Generation, die erstmals laut öffentlich darüber gesprochen hat. Ihr Sprachrohr sind die Sozialen Medien. Da ist es fast ironisch, dass ebendiese als ein weiterer Grund für die Einsamkeit in der Diskussion stehen. Oft nahm das Smartphone schon im jungen Alter eine wichtige Rolle bei der Generation Y ein. Facebook und Instagram begleiten ihren Alltag, doch dabei suggerieren sie oft ein geschöntes Bild, das wenig mit der Realität zu tun hat, das aber trotzdem verunsichern kann. Hinzu kommt, dass das Internet die Kommunikation beeinflusst. Kurze, oberflächliche Nachrichten und Small Talk gehören fest zu unserer Gesellschaft. Doch anders als tiefgründige Gespräche befeuern sie noch stärker das Gefühl der Einsamkeit.

Ikea Einsamkeit Millenial Loneliness 8 Neue Freunde finden ist aktuell gar nicht so einfach – Apps können helfen.

Von alten Freund*innen und neuen Kontakten

Ein Schritt in die richtige Richtung könnte sein, sich bewusst zu machen, dass es noch mehr Menschen gibt, die sich einsam fühlen. Warum sich also nicht einfach zusammentun? Vielleicht freuen sich Freund*innen aus früheren Tagen und andere frühere Kontakte über eine Nachricht? Jene, die neu in eine Stadt ziehen, finden oft in Online-Gruppen andere Zugezogene. Sich zur gemeinsamen Stadterkundung zu treffen, kann der Beginn einer neuen Freundschaft sein – und zu zweit ist das auch in der aktuellen Zeit problemlos möglich. Verschiedene Apps wie z. B. Meet5 oder Spontacts bringen Gleichgesinnte zusammen. Diese Apps haben neben dem Austausch online in der Regel ein Offline-Treffen als Ziel.

Das Smartphone und das Internet können Fluch und Segen zugleich sein. Es kommt eben ganz darauf an, dass man es bewusst nutzt, nicht nur hinsichtlich der Inhalte, sondern auch der Häufigkeit. Denn auch Pausen tun gut. Neulich tauschte ich einen Monat lang mein Smartphone gegen ein altes Handy ein, das nur telefonieren und SMS verschicken konnte. Es ist verrückt, wie viel Zeit sich plötzlich ergibt, wenn die bunten Apps nicht mehr dauernd locken.

Ikea Einsamkeit Millenial Loneliness 4 Eine kleine Telefonecke wird mit einem gemütlichen Sessel schnell zum Lieblingsplatz.

Der Lieblingsplatz für tiefgründige Gespräche

Und wenn die Zeit da ist, warum nicht einfach mal zum Telefonhörer greifen, um ausgiebig mit einer Freundin zu quatschen? Wenn diese weit weg wohnt, kann daraus ein schönes Ritual werden. Unser Zuhause kann uns dabei unterstützen.

Menschen auf der ganzen Welt haben während der Pandemie ihr Zuhause neu für sich entdeckt. Das belegt auch der aktuelle Life at Home Report von IKEA. Zwei von fünf Befragten haben in diesem Zuge Änderungen und Optimierungen in den eigenen vier Wänden vorgenommen. So wurde das Zuhause noch stärker zu dem Ort, der unsere Bedürfnisse erfüllt. Bei dem Beispiel mit dem Telefonritual könnte es eine besonders gemütliche Ecke mit einem bequemen Sessel und einem passenden Beistelltisch sein – für lange, tiefgründige Gespräche. Eine schöne Idee ist es auch, sich regelmäßig zum virtuellen Kaffee via Videoanruf zu treffen. So steht immer ein Termin im Kalender, auf den man sich freuen kann und der die Einsamkeit nimmt.

Ikea Einsamkeit Millenial Loneliness 10 Kraft tanken in den eigenen vier Wänden: Mit der richtigen Balance entspannen.

Dazu zieht das Lieblingscafé einfach zu Hause ein und anders als die öffentlichen Plätze derzeit, hat das eigene Café immer geöffnet. Oft lassen sich auch einige Einrichtungsideen aus der Gastronomie ins eigene Zuhause übertragen. Eine Vase mit frischen oder auch getrockneten Blumen kann da ein schöner Anfang sein, das holt den Frühling ins Haus und hebt die Stimmung. Wenn dann noch jede*r vorher den gleichen Kuchen gebacken hat, fühlt sich das Treffen fast wie offline an. Viele Menschen halten so den Kontakt in der aktuellen Zeit zu ihren Liebsten aufrecht – 22 Prozent haben laut des Life at Home Reports das virtuelle Sozialisieren zu einer neuen Priorität für sich gemacht.

Insgesamt haben 39 Prozent der 16- bis 44-Jährigen, zu denen die Millennials zählen, laut der Umfrage ihr Zuhause an den neuen Alltag angepasst. Das bedeutet manchmal auch, einen Rückzugsort nur für sich allein zu schaffen. Prinzipiell gilt: Einsamkeit ist nicht mit dem Alleinsein zu verwechseln. Manche schaffen sich bewusst kleine Inseln zum Alleinsein, da sie so Kraft tanken können – es kommt eben ganz auf die Balance an.

P.S.: Auch ein gesunder Körper kann dazu beitragen, dass ihr euch wohlfühlt. Hier findet ihr einfache Yoga-Tipps für euren Alltag!

Ihr seid verzweifelt und sucht Hilfe? Bei der Telefonseelsorge könnt ihr jederzeit und anonym mit ausgebildeten Seelsorgern sprechen.