Japandi – Skandinavien und Fernost ziehen zusammen

Holzvertäfelte Wände sind ein zentrales Element des Japandi-Stils.

Tausende von Kilometer trennen Skandinavien und den Fernen Osten. Umso verwunderlicher erscheint es auf den ersten Blick, dass ausgerechnet diese beiden Teile der Erde gemeinsam einen der aktuellen Wohntrends definieren: „Japandi“ erobert in diesem Jahr unseren Wohnraum – ein Mix aus japanischen und skandinavischen Einflüssen. Die Relevanz dieser Strömung wurde auch bei der Trendprognose der diesjährigen Konsumgütermesse Ambiente sowie der Paper- und der Creativeworld deutlich. Doch was genau macht diesen neuen Stil-Mix aus?

Ikea Japanisch Skandinavisch 04 Blühende Kirschzweige holen die Natur ins Haus. Bild: Maarten Deckers via Unsplash

„Der skandinavische Stil begleitet uns bereits seit mehreren Saisons. Er ist als ein Meta-Thema zu betrachten, das immer wieder in Variation mit anderen Stilrichtungen kombiniert wird”, sagt Claudia Herke vom Frankfurter Stilbüro bora.herke.palmisano, die beim Consumer Goods Digital Day von den aktuellen Trends berichtete. Ein Beispiel für einen Trend-Mix mit skandinavischer Grundlage haben wir mit Scandi-Boho bereits 2020 vorgestellt. Dieser stand im Zeichen skandinavischen Designs, gepaart mit Ethno-Elementen. Und das Beste: Wer im vergangenen Jahr darauf setzte, hat bereits die Grundlage für Japandi geschaffen.

Wertschätzung von Natur und Handwerkskunst

Bei Japandi trifft Hygge auf Wabi Sabi – letzteres steht in Japan für die Schönheit im Unvollkommenen. Die große Gemeinsamkeit der beiden Richtungen ist die Vorliebe für Schlichtheit und Funktionalität. Kulturelle Parallelen finden sich zudem im respektvollen Umgang mit der Natur und in großer Wertschätzung der Handwerkskunst. Diese Komponenten spiegeln sich nun in der Einrichtung deutlich wider.

Ikea Japanisch Skandinavisch 01 Grünpflanzen wie Bonsais setzten Farbakzente und sorgen für den japanischen Flair. Bild: Dewang Gupta via Unsplash

Zu den japanischen Einflüssen zählen etwa niedrige Möbelstücke wie Betten, Sofas und Beistelltische auf kurzen Beinen. Zum Einsatz kommen natürliche Materialien wie Bambus oder Geflecht-Elemente aus Rattan oder Seegras. Die offenen Räume mit wenigen Möbelstücken lassen viel Platz für Licht und Luft – angestrebt wird zudem ein nahtloser Übergang zwischen drinnen und draußen. Das kann etwa durch den Einsatz von Pflanzen oder durch wohnlich eingerichtete Balkone oder Terrassen erreicht werden. Auf diese Weise erweitert man in den wärmeren Monaten den Wohnraum.

Wer keine Terrasse oder Balkon hat, holt sich die Natur mit Grünpflanzen ins Zuhause. Besonders japanisch wirken Bonsais oder blühende Kirschzweige. Doch auch hier gilt das Gebot des Minimalismus – so werden wenige, sorgfältig ausgewählte Zimmerpflanzen an effektvollen Stellen platziert. Bei den ebenfalls eher sparsam verwendeten Deko-Elementen spielen Stücke aus Steingut, Statuen und Geschirr oder Vasen aus Keramik eine zentrale Rolle. Die Farbpalette des japanischen Einflusses bewegt sich im Spektrum warmer, erdiger Naturtöne.

Ikea Japanisch Skandinavisch 02 Wenige, gezielt platzierte Möbelstücke und hochwertige Materialien machen den Stil-Mix aus.

Visuelle Ruhe als gemeinsamer Nenner

Die japanischen Elemente treffen auf skandinavisches Design mit klaren Linien und dezenten Formen. Zentral für den skandinavischen Part sind Möbelstücke aus hellen Hölzern. Die neue VOXLÖV Serie passt beispielsweise perfekt in den neuen Japandi-Stil. Die Wahl der Scandi-Deko fällt ebenfalls schlicht und minimalistisch aus. Typisch skandinavische Elemente im Japandi sind zudem weiche, kuschelige Decken und Kissen auf dem Sofa. Zum Einsatz kommen eher kühlere, helle Naturtöne. Auch hier fällt die Wahl auf hochwertige natürliche Materialien wie Jute, Leinen, Baumwolle und Bambus.

Die visuelle Ruhe ist der große gemeinsame Nenner der beiden Richtungen. Doch auch die übrigen Komponenten lassen sich harmonisch miteinander kombinieren. So kommen Räume im Japandi-Stil in allen natürlichen Farbschattierungen daher. Dunklere, wärmere Töne werden mit den typisch skandinavischen kühlen Naturfarben kombiniert. Um die Schlichtheit zu wahren, werden in der Regel maximal drei bis vier verschiedene Farben pro Raum kombiniert, Schwarz kommt dabei nur sparsam in Form von gezielten Akzenten zum Einsatz. Beliebt sind dafür etwa Wandbilder mit kalligrafischen Elementen in schwarzer Tinte auf handgeschöpftem Papier – gleichzeitig ein Symbol für die Ehrung des Handwerks. Wer eher das Skandinavische hervorheben will, dekoriert mit mehr weißen und pastellfarbenen Möbelstücken und Gegenständen. Dunklere, erdige Töne hingegen lassen den japanischen Einfluss hervorstechen.

Ikea Japanisch Skandinavisch 05 Keramik-Deko und Lampen aus Geflecht lassen sich gut in den Japandi-Stil integrieren.

Einzelstücke mit tieferer Bedeutung

Weiße Wände sind eindeutiger Favorit und eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Einflüsse. Von skandinavischer Seite her geht der Trend auf die vielen kurzen Tagen im Jahr zurück. Durch die weißen Wände wirken die Räume heller und freundlicher. Im japanischen Stil wirken die weißen Wände als zurückhaltender Hintergrund für das großzügig verwendete Holz in der Einrichtung. Seltener kommen in der japanischen Einrichtung auch Wandfarben in dunklen, gedämpften Erdtönen vor. In dem Fall wirken Einrichtungsgegenstände in helleren Tönen als ein schöner Kontrast. Ebenfalls natürlich, doch etwas ausgefallener, sind strukturierte Wandoberflächen. Dazu gehört etwa Sichtbeton oder eine Wandverkleidung mit hellen Holzleisten – durch die natürlichen Töne bleibt die Klarheit dennoch erhalten.

Knallige Farben kommen bei Japandi prinzipiell eher selten zum Einsatz. Für Farbakzente sorgen meist die sparsam platzierten Grünpflanzen – daher eignet sich dieser Stil gut für Puristen. Auch die verwendeten Textilien sind bei dieser Trendrichtung in der Regel frei von opulenten Mustern. Der minimalistische Einsatz von Dekorationselementen hat seinen Ursprung im asiatischen Land: In Japan werden Räume eher zweckmäßig eingerichtet, damit sie schneller umfunktioniert werden können, was auf die Wohnraumknappheit zurückgeht. Dafür wird auf ganz besondere Einzelstücke gesetzt, die eine tiefere Bedeutung für die Menschen des Hauses haben.

Wer den Trend nicht ganzheitlich umsetzen möchte, kann sich für die Einrichtung bestimmter Bereiche von Japandi inspirieren lassen – denn die Hauptsache ist, dass das eigene Zuhause ein Wohlfühlort bleibt.

Ihr seid auf der Suche nach weiteren Ideen für eure Einrichtung? IKEA Experte Konrad verrät euch hier, was hinter dem Begriff „Conscious Design“ steckt und wie wir damit den Wohlfühl-Faktor zu Hause weiter stärken können.