Damit es im Garten summt und brummt!

Keine andere Tiergruppe ist so vielfältig und so wichtig für Mensch und Natur wie die Insekten. Sie bestäuben die meisten unserer Wild- und Kulturpflanzen und dienen anderen Tieren als Nahrung. Umso fataler, dass ihre Bestände seit Jahren abstürzen. Wer wie ich die Natur liebt, sollte ihnen daher auch im Garten und auf dem Balkon ein Zuhause schenken . Das ist ganz einfach!

Ikea Nabu Insekten Garten 02 An ungefüllten Blüten wie dieser Essigrose finden Bienen Nahrung. © NABU/Eric Neuling

Was brauchen Insekten? Nahrung!

Klar, Insekten brauchen Nahrung. Aber was fressen sie? Das ist unterschiedlich. Wespen und Heuschrecken erbeuten andere Insekten. Maikäfer fressen Blätter. Und Wildbienen, Falter und Schwebfliegen suchen nach Nektar und Pollen – vor allem an heimischen Pflanzen, denn an die haben sie sich angepasst.

Wichtig ist, dass sie vom Frühjahr bis zum Herbst Nahrung finden, dass also immer etwas blüht. Wir essen ja auch nicht nur im Sommer etwas. Weil die Blütenbesucher unterschiedliche Vorlieben haben, sollte der Garten viele verschiedene Blütenfarben und -formen bieten. Wobei es einen wichtigen Grundsatz gibt: Ungefüllte Blüten sind immer besser als gefüllte, denn letztere enthalten meist weder Pollen noch Nektar und sind für Insekten schwer zugänglich. Bunte Wiesen voller heimischer Wildblumen, blühende Küchenkräuter wie Schnittlauch, Minze und Basilikum, Obstbäume und Beerensträucher sowie Wildrosen machen Nektarschlürfer und Pollensammler glücklich.

Ikea Nabu Insekten Garten 05 Blumenwiese statt englischem Rasen – so werden Nektarschlürfer und Pollensammler satt. © NABU/Marcus Bosch

Dass ein Gartenteich – selbst ein ganz kleiner – Insekten und andere Tiere magisch anzieht, wissen alle, die schon mal an einem sonnigen Tag am Ufer gesessen haben. Viele Insektenarten leben als Larve im Wasser und wechseln erst als Erwachsene ins Trockene, etwa Libellen und manche Schwebfliegen.

Neben den vielen tagaktiven Insekten gibt es übrigens auch sehr viele, die nachts unterwegs sind. Damit finden auch Fledermäuse und Eulen etwas zu fressen. In jedem Garten sollte daher auch im Dunkeln etwas blühen und duften, etwa Nachtkerze, Geißblatt oder Nachtviole. Außerdem braucht auch der Insektennachwuchs etwas zu futtern. Ein erwachsener Kleiner Fuchs saugt in Blüten Nektar. Seine Raupen leben dagegen von den Blättern der Großen Brennnessel. Sie sollte deshalb in der Nähe wachsen.

Ikea Nabu Insekten Garten 04 Hohle Stängel sind für einige Wildbienen- und Wespenarten attraktive Nistplätze. © NABU/Sebastian Hennigs

Was brauchen Insekten noch? Verstecke und Nistplätze!

Auch hier gibt es nicht den einen Tipp, der alle Insekten glücklich macht, sondern die Vielfalt hilft! Totholz etwa dient vielen Käfern und Wildbienen als Lebensraum und Kinderstube. Wie wäre es mit einer Benjeshecke oder einem alten Baumstumpf im Garten? Andere Insekten – darunter 70 Prozent unserer Wildbienenarten – brauchen offene trockene Bodenflächen zum Nisten. Ein einfaches Sandbienenbeet ist da eine tolle Hilfe. Und über Laubhaufen freuen sich nicht nur Igel, sondern auch Marienkäfer und Co. In den typischen Insektennisthilfen mit Röhrchen und Bohrlöchern legen einige Wildbienenarten und solitäre Wespen ihre Eier ab. Diese Nisthilfen kann man kaufen – oder ganz einfach selbst machen.

Ikea Nabu Insekten Garten 07 Benjeshecken und Holzhaufen bieten Unterschlupf und Nistplätze. © NABU/Eric Neuling

Fünfe gerade sein lassen

Auch wer im Sommer lieber in der Sonne liegt statt im Garten zu arbeiten, kann Insekten helfen. Ein bisschen Unordnung ist für Insekten nämlich überaus attraktiv. Hier blüht eine Distel, dort wächst eine Brennnessel und da hinten hat der Wind ein paar trockene Blätter auf einen Haufen geweht? Aus Sicht unserer Sechsbeiner sollte das so bleiben! Auch vor dem Winter sollte man nicht zu sehr aufräumen und etwa vertrocknete Staudenstängel erst im Frühjahr abschneiden.

Eines gilt zudem für alle Insekten: Laubsauger und Giftspritze haben im Garten nichts verloren. Wer das beherzigt und den Garten naturnah gestaltet, kann auf viele natürliche Helfer zählen: Marienkäfer und Florfliegen fressen Läuse, Igel erbeuten allerhand Kleingetier, Fledermäuse jagen Stechmücken, Laufkäfer vertilgen Schneckeneier und Drahtwürmer, Wespen sowie Vögel sammeln Raupen.

Licht aus!

Künstliche Lichtquellen ziehen Insekten an und werden schnell zur Todesfalle. Allnächtlich kreisen Milliarden von Mücken, Fliegen, Käfern und Nachfaltern wie im Rausch um Straßenlaternen und Gartenlichter – bis sie in der Hitze verbrennen oder erschöpft sterben. Die insektenfreundlichste Lampe ist daher die, die nicht brennt.

Wer Licht im Garten braucht, sollte es nur dann einschalten, wenn es wirklich nötig ist und zu einer Lampe mit gelblichem Licht greifen, die nur nach unten auf den Weg leuchtet, statt den ganzen Garten zu erhellen. Kugelleuchten, die in alle Richtungen strahlen, sind die denkbar schlechteste Wahl.

Ikea Nabu Insekten Garten 06 In der wilden Ecke finden Schmetterlinge und andere Insekten viel Nahrung. © NABU/Kathy Büscher

Mitmachen beim NABU-Insektensommer

Lust auf Insekten bekommen? Dann habe ich hier noch zwei Termin-Tipps: Vom 4. bis 13. Juni und vom 6. bis 15. August 2021 startet der NABU wie jedes Jahr den Insektensommer und ruft alle Menschen dazu auf, nach Insekten Ausschau zu halten und die Beobachtungen zu melden. Wer sich bei der Bestimmung der Sechsbeiner nicht ganz sicher ist, findet im NABU-Insektentrainer einen Bestimmungsschlüssel und viele Infos. Viel Spaß!

Gastbeitrag von Melanie Konrad, Leiterin der Gartenkampagne beim NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. Jeden Monat gibt es einen Tipp vom NABU für ein nachhaltigeres Leben auf dem IKEA-Unternehmensblog. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner.

Du suchst weitere NABU-Tipps für deinen Garten oder Balkon? Hier findest du alle Infos zu naturnahen Gärten und Balkonen, zum Beispiel eine Anleitung zum Bau einer Schmetterlingsspirale und Tipps, wie du deinen Garten vogelfreundlich gestalten kannst.